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Persönliche Gedanken und Geschichten von Jan Theofel

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Wie viel sind 100kg Internet?

Bei Isotropp habe ich folgende Karikatur gefunden. Sie stammt von Christian Hayungs und ist hier in seinem Weblog zu finden.

Thematisch geht es um das Verständnis von Herrn Schäuble für das Internet:

schaeuble.jpg

DIst ja ganz nett. Aber die wahre Genialität der Aussage erkennt man erst, wenn man sich mal fragt wie viel 100 kg Internet eigentlich sind. Denn der Mitarbeiter war einfach nur clever genug diese neumodischen Einheiten wie GB und Co und eine Herrn Schäuble verständliche Einheit umzurechnen.

Hier also mal in guter Physiker-Manier eine grobe Abschätzung wie viele GB 100 kg wiegen:

Schritt 1: Wieviel wiegt ein Elektron?

Wikipedia hilft: Die Ruhemasse eines Elektrons beträgt 9,109 381 88(72) · 10−31 kg. Für unsere Abschätzung nehmen wir einfach mal den Wert 10-30 kg. Oder anders ausgedrückt: Um 100 kg Elektronen zu sammeln benötigen wir 1032 Elektronen.

Schritt 2: Wie viele Elektronen benötigt man um ein Bit abzuspeichern?

Um diese Frage zu beantworten schauen wir uns diese Vorlesungsfolie an. Ich versteh das zwar alles nicht wirklich aber das hier (Seite 24) verstehe ich: etwa 105 Elektronen / Bit. Das rechnen wir dann nur noch schnell um. 1032 Elektronen sind demnach 1027 Bit. (Die Vorlesung ist übrigens mit Beamer für LaTeX gesetzt worden. Sehr löblich!)

Die Antwort:

Und wenn wir das noch mit dem Faktor 1000 (nicht 1024) umrechnen kommen wir auf folgende Antwort: 100 kg Internet entspricht etwa 1015 TB. Das dürfte ein vielfaches der Datenmenge im Internet sein... Oder anders ausgedrückt:

Herr Schäuble hat das komplette Internet gleich mehrfach beschlagen lassen. Denn schließlich ist das ganze Internet verdächtig. Und das in mehrfacher Hinsicht, also muss man es auch mehrfach beschlagen lassen...

Tags: gewicht elektron

Geschrieben von Jan Theofel am 19.07.2007 um 8:30 Uhr (Permalink)
Abgelegt unter FragenInternet

TrackBacks für »Wie viel sind 100kg Internet?«

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14 Kommentare zu »Wie viel sind 100kg Internet?«

Bei Schritt 1 soll es sicher 10^-30 heissen.
Und wieviel Daten beherbergt denn unser Internet schätzungsweise, wenn 10^15 TB ein Vielfaches sein soll? Angaben, bevorzugt mit Quellen, dürfen gern auch in kg gemacht werden.

1 | Wolfgang | 19.07.2007 um 12:44

Danke für den Hinweis mit der falschen Zahl.

Eine Größenschätzung des Internets ist natürlich schwierig. Ich nutze mal die Zahlen zu den Google Datacentern als Grundlage:

Dort ist die Rede von "vier Milliarden Webseiten, jede mit durchschnittlich 10 KByte, alle komplett indiziert". Macht also 400 TB. Gehen wir davon aus, dass Google nur 1% aller Seiten indiziert hätte und nur 1% des Internets HTTP ist, liegen wir bei einer Gesamtgröße von 4*10^6 TB. Selbst dieser Wert ist 250 Millionen mal kleiner als der oben errechnete Wert.

Anderer Ansatz: Google speichert pro Datatcenter 1000 TB Daten (1 PB). Gehen wir mal nur von dem reinen Speicherplatz aus (nicht von Datenmengen, die transfiert werden) bräuchten wir also etwa 1000 Millliarden Datacenter der Größenordnung von Googles Datacentern um all diese Daten speichern zu können. Jeder Mensch hätte also grob geschätzt 250 dieser Datacenter ganz für sich alleine...

(Alle Berechnungen könnten sich um die eine oder andere 10er Potenz falsch liegen. Aber was macht das bei diesen Zahlen schon aus? :-)

2 | Jan Theofel | 19.07.2007 um 13:16

Haha :-)
Freut mich, dass mein Cartoon derart technisches Interesse geweckt hat.

3 | Hayungs | 19.07.2007 um 15:20

Nun ja ist ja ne schöne Rechnung. Aber die Datenmengen auf ein Physikalisches (festes) Medium gespeichert werden. Das Googledatacenter ist ja bestimmt auch nicht nur ein Raum in dem Elektronen rumschwirren.

Wenn man den Speicherplatz dann mal mit Handelsüblichen Festplatten errechnet, die ich jetzt einfach mal mit 500g annehme. Wirds erheblich kleiner. Bei 500Gb kommt schnell auf 1TB = 1KG. Wobei bemerken muss dass 100TB immer noch eine beachtliche Menge Daten sind. Da hat Stasischäuble wohl ein Zehntel eines GoogleDataCenters hochgenommen.

4 | Taron | 19.07.2007 um 16:43

Nja, ohne Euch den Spaß mit den Elektronen nehmen zu wollen - wäre es nicht sinniger, das Gewicht von aktuell handelsüblichen Festplatten herzunehmen, denn das wäre gewissermaßen das Endformat, in dem man das Internet speichern tut - auch beim BKA. Wenn so eine 500G-Platte etwa 250g wiegt, kommen wir gerade mal auf 200 Terabyte pro 100 kg. Mit Sicherheit weniger als das gesamte Internet!

5 | Gerrit van Aaken | 19.07.2007 um 16:55

Toll, dann hat ja immer noch keiner ein Backup. ;-)

P.S.: Mein Trackback kommt nicht durch: Die Internet-Kompetenz des Dr. Wolfgang Schäuble

6 | Henning | 19.07.2007 um 19:13

Ich habe diese Berechnungsmethode auch bedacht, mich aber aus zwei Gründen dagegen entschieden:

1. Die spezifische Speicherdichte von Datenträgern ist je nach Typ sehr unterschiedlich. Auch wenn Festplatten das naheliegende Medium sind, musst du doch von einem RAID-System in den Servern ausgehen. Raid-1, Raid-5, Hot Spare? Auch hier: Verschiedene Dichten.

2. Wesentlich wichtiger erscheint mir aber, dass die Festplatten als solche nicht ohne weiteres zu Beschlagnahmen sind. Ein Mitschnitt von Flussdaten erscheint mir da doch naheliegender. Und die kann ich ja schlecht am Gewicht des Kabels festmachen. Wobei die dicken Leitung ja Glasfaserleitungen sind. Aber Photonen haben dummerweise keine Masse (laut Wikipedia) und damit wäre die Rechnung nicht möglich gewesen. Also bin ich beim Elektron gelandet.

7 | Jan Theofel | 19.07.2007 um 22:18

Da steckt noch was von mir im Spamfilter oder sonstwo! :-/

8 | Henning | 20.07.2007 um 1:20

ich hätte dann gerne 100g, geschnitten... danke :)

9 | Jens | 22.07.2007 um 14:29

hmmmmm

eine durchschnittliche EMail enthält ~410000 Bits und es werden insgesamt 8mrd. Elektronen für den Versand benötigt. Da man außerdem weiß, dass im gesamten Internet sich rund 40 Petabyte an Informationen im Umlauf befinden, kann man berechnen wieviel diese 40 PB wiegen. Ergebnis: 0,00014 Gramm. Das entspricht dem Gewicht eines Sandkorns.

:P

10 | Hoschi | 2.09.2007 um 10:06

Evtl. hat Hr. Sch. doch nicht das ganze Internet beschlagnamt: http://www.wired.com/science/discoveries/magazine/16-07/pb_intro ;)

11 | Simon Brüchner | 27.10.2008 um 23:14

Doch sicher hat er das. Selbst wenn Google pro 72 Minuten 1 PB (Pentabyte) Daten verarbeitet sind das pro Tag 20 PB, 600 PB / Monat und 7200 PB pro Jahr.

Die 100 kg Internet entsprechen jedoch 10^9 PB Daten, also 1 000 00 PB pro Jahr. Das ist immer noch über 100 000 mal soviel wie Google an Datendurchsatz pro Jahr hat. Und wie viele so große Firmen wie Google gibt es schon...

Noch ist Herr Schäuble also im grünen Bereich. Aber lange werden die 100 kg für das komplette Internet nicht mehr reichen... :-)

12 | Jan Theofel | 28.10.2008 um 8:47

Es interessiert nicht was das Internet in Elektronen wiegt. Interessant wäre, wieviel das Internet wiegen würde, wenn es nicht existent ist. Sprich, eine Email = ein Blatt Papier, Tinte, Briefumschlag, Briefmarke.

Also was wäre der reele Gegenwert in Gewicht des Internets. Ich wäre mir sicher, es wären Trillionen Tonnen....

13 | Marv | 25.06.2012 um 15:31

Das ist in der Tat auch eine spannende Betrachtung. Die ist allerdings gar nicht so einfach, weil man dabei ja auch berücksichtigen müsste, was alles ohne das Internet gar nicht an Inhalten produziert würde. Dieses Blog mit all seinen Inhalten gäbe es zum Beispiel ja gar nicht - und vermutlich auch nicht als Papiermedium...

14 | Jan Theofel | 10.07.2012 um 16:23

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