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Persönliche Gedanken und Geschichten von Jan Theofel

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Rückblick auf das Barcamp Hamburg - Auch mit einem weinenden Auge

Barcamp Hamburg 6 - Logo

Ich bin inzwischen zurück vom Barcamp Hamburg 6 und möchte euch kurz meine persönlichen Eindrücke und Meinungen dazu schildern. Und auch als "bittere Pille" beschreiben, warum sich das #bchh12 für mich nicht nach Barcamp angefühlt hat. Vorab aber erst mal ein großes Danke an das Orga-Team mit Dennis, Vivian, Ilka und Volker sowie an die Sponsoren. Es war übrigens nach meinem zweiten Barcamp 2007 in Hamburg das Ende einer langen Auszeit für die Hamburger Barcamps für mich.

Da ich am Donnerstag Abend noch ein Sharing in Stuttgart geleitet habe hatte ich mir für Freitag früh einen Flieger rausgesucht. Dadurch dachte ich, zu spät zu kommen, weil ich erst um kurz nach 10 Uhr in der Location bei Otto eintraf. Ich hatte daher am Vortag Romy instruiert, dass sie bitte meine Session "Wir brauchen mehr Barcamps" mit bei der Sessionplanung vorstellt. Allerdings ging das Barcamp deutlich später los, als andere und so war ich rechtzeitig da. Ich stellte meine Session mit als erstes vor um danach mit Torsten und Romy den Timetabler mit den Sessions zu befüllen.

Was mich hier stark irritiert hat: Wir hatten "nur" 10 Räume auf 400 angemeldete Teilnehmer und bekommen es dennoch nicht hin, alle Sessionslots zu füllen? Und bei Otto, dem Location-Sponsor, hätte es noch deutlich mehr Räume gegeben. Leute! Was war da los? Ein Barcamp lebt davon, dass wir alle Wissen miteinander teilen - und dazu darf und soll sich jeder auch mit Sessions einbringen. Was cool war, war der QR-Code an der Session-Wall zu dieser Timetabler-URL. Das wird es bei meinem Camps in Zukunft auch geben!

Mit den Sessions ging es dann leider erst um 12 Uhr los. Ich startete mit "Neues fluides, vernetzes Arbeiten und Innovation in klassisch hierarchischen Organisationen" von Moritz. Hier gab es für mich ein paar spannende neue Einblicke was bei einigen Unternehmen mehr oder weniger gut funktioniert. Ich habe ein paar Erfahrungen aus meinem Kreis beigesteuert. Der Grundtenor war aber der, dass gerade bei großen Unternehmen der Umstieg auf neue und offene Arbeitsmethoden eher schwer umsetzbar ist.

Anschließend habe ich mir Romys Session über ihre Bloggertour nach Kanada angehört. Neben schönen Bildern hatte sie auch Auszüge aus dem Blogger-Briefing (sehr professionell) und der Tour dabei. Ihr Blogposts dazu findet ihr u.a. hier und hier. Ich bin hier noch immer etwas zwiegespalten: Es war eine super Tour aber ich finde man sollte uns Blogger mehr Freiraum und Ruhe auf solchen Touren gönnen. Das ist auch meine persönliche Erfahrung von Santorin und Kreta. Man kann natürlich nur "professionelle Blogger" einladen, die damit ihr Geld verdienen und für die das weniger Urlaub denn Arbeit ist. Aber ist das der Sinn von Social-Media-Kommunikation? Wollen wir da die "richtigen Journalisten", die "nur" ein neues Medium bedienen oder wollen wir auch "normale Blogger"?

Dann habe ich eine Session lang ausgesetzt um in Ruhe Mittag zu Essen. Anscheinend wurde ich in der Zeit bei einer Session als Teilnehmer vermisst. Sorry, Leute: Wenn du mich dabei haben willst, frag mich bitte und geh nicht davon aus, dass ich da selbstverständlich mit dabei bin. Danke! (In dem Fall hatten wir einfach schon eine ähnliche Session in Stuttgart und ich brauchte eine Pause vor meiner eigenen Session nachdem ich seit 5 Uhr auf den Beinen war.)

Im Anschluss folgte dann meine Session Wir brauchen mehr Barcamps. Ich habe ein paar Gedanken über firmeninterne Barcamps, solche bei Verbänden und im wissenschaftlichen Umfeld vorgebracht und auch, dass wir aus meiner Sicht mehr Themencamps haben sollten. Wir hatten dann eine gute Diskussion, die ich im Detail hier nicht wiedergeben möchte. Schön fand ich aber die Fragestellung aus der ersten Session, wie man denn nach so einem Camp die weitere Vernetzung von Teilnehmern (ob nun bei einem öffentlichen oder internen Barcamp) weiter fördern könne. Mehr dazu als Mitschrieb einer ähnlichen Session vom lifeworkcamp und als Folien bei SlideShare.

Nach einer weiteren Pause, die ich zum Plaudern mit anderen Teilnehmern nutzte, folgte dann als letzte Session Die schlimmsten Recruiting-Videos mit peinlichen Bewerber-Raps von Firmen und nicht weniger peinlichen Videos von Bewerbern, die Jürgen und Jörn zusammengestellt hatten. Ein entspannter und lustiger Sessionausklang.

Abends folgte eine unterhaltsame Runde "Herzblatt" auf der großen Bühne, dass von den Moderatorinnen, Technik und Teilnehmern ganz großartig umgesetzt wurde. Nach dem für mich langen Tag verschwand ich dann abends recht zügig in den Feierabend.

Am zweiten Tag ging es morgens leider wieder recht spät los. Dennoch waren zur Sessionplanung gerade mal die Hälfte der angemeldeten Teilnehmer anwesend. Leute: Das geht nicht! Eine No-Show-Rate von um die 20% weil ernsthafte Dinge passieren - ok. Aber die Hälfte?

Kommen wir mal zu den Sessions vom zweiten Tag: Durch die späte Planung entfiel für mich - wie für die meisten anderen - der 11-Uhr-Slot. Auch wenn dieser auf 11:15 Uhr verlegt wurde, war ich doch noch mit der finalen Erfassung der Sessions zu Gange. Los ging es dann für mich mit einer Session von Romy über WTF is Rotation Curation, also Twitter-Accounts, die einmal pro Woche (oder auch täglich) den Autor wechseln. Aus ihren Erfahrungen mit @WeareHH kann ich einige Sachen mitnehmen, denn so einen Account sollten wir für Stuttgart doch auch mal einführen, oder?

Nach dem Essen habe ich das Ende der POS online möglich-Session von Stefan Vorbeck (no Twitter, no Link ;-) mitgenommen und mich da noch kurz in die Diskussion eingemischt. Anschließend folgte in dem Raum nämlich meine Session Wer bin ich? Selbstfindung statt sich selbst im Weg rumstehen. Dazu habe ich zum lifeworkcamp schon mal eine Zusammenfassung und Vertiefung geschrieben.Im Anschluss war ich dann in ein Gespräch mit zwei Lightwerk-Mitarbeitern (die auch gesponsert haben) vertieft so dass es bei den Sessions für mich am Samstag blieb.

Soviel zum Inhalt. Und jetzt kommt die bittere Pille für euch da draußen: Sorry, aber ich habe mich auf dem Hamburger Barcamp nicht so wohl gefühlt. Genau genommen hatte ich mir überlegt, ob ich am zweiten Tag überhaupt kommen soll. Aber das macht man eben nicht, also war ich an beiden Tagen dabei. Die folgenden Punkte, haben aus meiner Sicht keine "echte Barcamp-Stimmung" aufkommen lassen:

  1. Ich hatte hier eher den Eindruck eines Klassentreffens als eines Wissenaustauschs. Viele schienen nur da zu sein um das "Sehen und Gesehen werden"-Spiel zu spielen. Dafür brauchen wir keine Barcamps, dass Spiel könnt ihr auf jedem anderen Event genau so spielen...
  2. Die No-Show-Rate unterstützt den Eindruck noch: Kein Event zu dem man um dessen Willen und Gelingen geht, sondern man macht es für sein Ego. Und wenn man dann kurzfristig keine Lust hat, kommt man eben nicht. Hallo?
  3. Obwohl wir extrem spät angefangen haben, kamen immer noch etliche Leute deutlich später. Auch hier kann es wichtige Gründe geben, aber in der Menge (vor allem am Samstag) ist dass für mich eine Missachtung des Events, der Organisatoren und Sponsoren.
  4. Barcamps bedeutet auch, so viele Sessions wie möglich anzubieten. Jeder(!) sollte weitergeben, was er zu sagen hat! Der Idealzustand sind daher zu wenig (dann improvisiert man neue Räume) und nicht zu viele ungenutzte Sessionslots.
  5. Eine Vorstellungsrunde ist für Barcamps aus meiner Sicht ein ganz wesentliches Element. Das wurde ja auch in der Abschluss-Session besprochen. Und ich kann das absolut nicht nachvollziehen, wie sich eine so deutliche Mehrheit dagegen aussprechen kann. Wer von all jenen, war schon mal bei einem anderen Barcamp und hat die Stimmung dort erlebt? Ich glaube, dass die Vorstellungsrunde hier ein wichtiges Element ist.

Also ganz klar keine Frage der Organisation sondern der Teilnehmer. (Und da klar auch nicht von allen.) Das soll auch keine Anklage sein sondern ein offenes und ehrliches Wort, wie ich das Barcamp Hamburg 6 erlebt habe. Wenn es dafür in Hamburg das passende Publikum gibt - ok. Aber meine Sache (und ich denke da spreche ich auch für andere alte Barcamp-Hasen) ist es dann nicht.

Ich weiß nicht, ob das - wie ich vermute - am regionalen Hamburger Publikum liegt. Mein Eindruck war, dass das Orga-Team sich hier der Situation in Hamburg angepasst hat und das finde ich extrem schade, weil das Barcamp dadurch aus meiner Sicht an Tiefe und Qualität verliert.

Auch wenn das erst mal nichts mit dem Orga-Team zu tun hat, könnt ihr aus meiner Sicht gegensteueren. Folgendes würde ich anders machen: 1. Früher anfangen und das auch klar durchziehen. Wer zu spät kommt, kommt eben zu spät. 2. Eine Vorstellungsrunde einführen. 3. Etwas mehr Slots anbieten und so lange auf der Bühne stehen bleiben und sagen "Hey, dass kann nicht sein, dass das alles an Sessions ist!" bis das Session-Board voll ist. 4. Erwägen, dass Event Baramp-typisch Samstag/Sonntag anzubieten - auch das zieht auch anderes Publikum an. 5. Das Catering deutlich vereinfachen und vor allem ohne "Aufräum"-Service. Ersteres weil es bei den No-Show-Raten einfach ärgerlich ist, so viel wegschmeißen zu müssen, und Zweiteres um hier der Ich-werde-ja-Bedient-Mentalität entgegenzuwirken. (Ich bin ja sonst sehr für Essensqualität, aber in dem Fall… Man kann es ja im Folgejahr wieder hochfahren, wenn sich vor allem die No-Show-Rate positiv entwickelt.) Generell würde ich mehr einen klaren Kurs vorgeben. Auch wenn Barcamps ein Event von Teilnehmern für Teilnehmer ist, scheint es einen Kapitän mit einem klaren Kurs am Steuer zu brauchen.

Abschließend bleibt mir zu sagen, dass ich die Location gut finde auch wenn es etwas außerhalb ist. Es braucht auch keine größere für noch mehr Teilnehmer. Gerade wenn es Abends noch mehr Programm gäbe, würden die Teilnehmer vielleicht eher zusammenbleiben. Und vielleicht einfach mehr kleine Räume öffnen (siehe oben). Das Essen war ziemlich gut, am ersten Tag fand ich es besser als am zweiten. Orga-Kleinigkeiten waren die Lüftung in den kleinen Räumen und das man die Sessions auf 45 Minuten ansetzen sollte. (Das animiert weniger zum Überziehen und 15 Minuten Pause reicht denke ich auch.)

Und abschließend noch ein paar weitere, bislang noch unerwähnte Sponsoren: Conrad Caine, RADIO4SEO (da gibt es übrigens ein Interview mit mir in der aktuellen Folge), eResult, PureTea und eTracker.

Nächstes Jahr schaue ich sicherlich dennoch wieder vorbei um zu schauen, ob sich das Stimmungsbild gewandelt hat bzw. wandelt.

Tags: bchh12

Geschrieben von Jan Theofel am 5.11.2012 um 9:45 Uhr (Permalink)
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Rückblick auf das Barcamp Hamburg - Auch mit einem weinenden Auge:

Das war das Barcamp Hamburg 2012 #bchh12 für mich

Am Wochenende fand in Hamburg zum bereits sechsten Mal das Barcamp Hamburg statt und ich muss sagen, dass es mir wieder einmal sehr gut gefallen hat: Die von mir besuchten Sessions waren interessant, die Räumlichkeiten sind toll, man konnte wieder ...

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» Pottblog | 5.11.2012 um 13:33

53 Kommentare zu »Rückblick auf das Barcamp Hamburg - Auch mit einem weinenden Auge«

Hej Jan,

ich teile viele Deiner Gedanken und gehe bisweilen noch weiter. Die Stimmung in manchen Sessions war geradezu verbissen und feindselig, getragen durch einige wenige Akteure, die sich mit ihren Themen immer wieder in den Vordergrund spielen wollten.

Schade, das (auch) bei Dir ein solcher Eindruck entstanden ist. Ich wünsche mir, dass sich dies wieder verbessert und die wesentlichen Elemente eines Barcamps wie zB Vorstellungsrunde wieder aufgenommen werden.

Vielleicht ist es wirklich an der Zeit über Alternativen nachzudenken. OTTO ist ein großartiger Sponsor, aber auch so etwas kann sich totlaufen. Die "Ich lasse mich bedienen/berieseln" Mentalität wird durch diese Rundum-Sorglos-Versorgung IMHO gefördert. Ein Schritt zurück und in andere Räumlichkeiten könnte hier Abhilfe schaffen.

My 2 cents.

1 | Oliver Berger | 5.11.2012 um 10:16

Jan, Danke für Dein Review. Wenn nicht etwas anderes dazwischen gekommen wäre, wäre ich auch gern zum BarCamp Hamburg gekommen. Doch die Plätze schnell weg. Das wäre nicht so schlimm, aber im Nachhinein zu lesen, dass eine hohe No-Show-Rate da war, ärgert mich in jedem Fall.

Diese Unzuverlässigkeit prangere ich wirklich an. Machen die Leute das auch beruflich so? Und die Ausrede: "mir ist ein wichtiges Projekt dazwischen gekommen", kann ich auch nicht mehr hören und lasse das nicht mehr gelten. Planung ist alles im Leben und der Kunde wird nicht sterben, wenn ein Konzept, dass er am Freitag Nachmittag anfragt, erst am Montag spät Nachmittag da ist.

Als Organisatorin und Supporterin vieler Events in Hannover fällt es mir immer schwerer die No-Show-Rate nicht persönlich zu nehmen. Aber das darf man wohl nicht. Es ist einfach eine Ungehörigkeit, die sich leider als gangbar durchsetzt.

2 | Nicole Y. Männl | 5.11.2012 um 10:31

Hmmm, tut mir leid,dass es dir am Wochenende nicht beim BarCamp gefallen hat - das ist dann immer auch eine Frage der Atmosphäre.

Die genannten Kritikpunkte würde ich so allerdings allesamt nicht unterschreiben: 1. BarCamps sind schon lange vor allem Wissensteilen UND Klassentreffen. Und da macht Hamburg keine Ausnahme. Und nur weil ich nicht in einer Session bin, heißt das nicht, dass ich nicht gerade gute Gespräche führe und viel Wissen ausgetauscht wird.

2. NoShow-Rate ist ein fieser Dauerbrenner, wobei das immer auch eine Frage der Wahrnehmung ist. Ein spezifisches Hamburger Problem ist es aber sicher nicht. Da hilft dann im Zweifelsfall nur "Eintritt"...

3.Gleiches gilt für die Verspätung - auch das ist leider die Regel bei BarCamps (selbst bei bezahlten Konferenzen zu beobachten)

4. Zum einen wurden von 110 möglichen Sessionslots 102 genutzt - es ist schade, dass nicht alles genutzt wurde. Aber hier zu kritisieren, dass nicht so viele Sessions wie möglich angeboten wurden (also eigentlich ncoh mehr Räume bereitgestellt wurden), finde ich schon leicht überzogen: Das ist kein Quantitätswettlauf. Ich fand das Angebot an Räumen und Sessions in Ordnung.

5. Zur Vorstellungsrunde habe ich ja schon mal gebloggt - irgendwann kommt da einfach der Punkt wo es nicht mehr geht. Bei 350-400 Leuten ist dieser Punkt erreicht, insofern ist es schade, dass es sie nicht gibt, aber es ist nicht anders zu lösen.

Mir hat das BarCamp jedenfalls großen Spaß gemacht ;)

3 | Stefan Evertz | 5.11.2012 um 10:46

Hallo Jan,
Teile deines Feedbacks kann ich gut verstehen. In Hamburg fühlt sich zum Beispiel jedes größere Event mehr an wie ein Klassentreffen als wie das, wozu es gedacht es (in diesem Fall also Barcamp mit Wissensaustausch). Schätze, das haben wir Hamburger irgendwie so an uns? Zu einem gewissen Anteil ist aber genau das auch nett und charmant. Obwohl ich dir zustimme, dass man darüber den Fokus einfach nicht vergessen darf.

Zur Vorstellungsrunde: Ich hatte mich auch dagegen geäußert. Warum? Erstens ist es wie gesagt schon fast das Klassentreffen, einen Großteil der Leute kennt man schon irgendwoher. Zweitens finde ich es, wenn denn endlich mal alle pünktlich da sind, einfach zu viel. Bis zu 400 Leute, und ich soll versuchen mir zu merken dass der Jan und der Thomas die zwei waren, die ich noch nicht kenne, die aber interessante Hashtags haben weshalb ich mit ihnen reden möchte? Für mich: Das wird nix. Definitiv nicht. Und damit ist es verschwendete Zeit, in der man lieber noch einen Session-Slot anbieten kann :)

Die No-Show-Rate finde ich auch wirklich schlimm. Das ist absolut unfair, vor allem weil die Wartelisten bis zum selben Tag immer noch voller ungeduldiger Leute sind, die stattdessen auch gerne pünktlich gekommen wären. Vielleicht sollte man daraus auch Konsequenzen schließen wie "Ab 13 Uhr wird der Checkin geschlossen und niemand kann sich mehr anmelden" oder so. Wer wichtige Gründe hat, oder einfach mal wieder der Deutschen Bahn hoffnungslos ausgeliefert ist, kann ja tatsächlich kurz Bescheid geben.

Und zum Problem zu weniger Sessions kurz meine Gedanken: Das BCHH ist nicht gerade klein, deshalb kann ich mir zumindest gut vorstellen, dass die Hemmschwelle vor gleich so vielen Leuten zu reden etwas größer ist als auf kleineren Barcamps. Gerade für Leute, die sonst auch an keiner Stelle Vorträge o.ä. halten (junge Leute, Berufseinsteiger undso). Denen muss man eben klar machen, dass sie sich ja auch einen der kleineren Räume nehmen können. Das funktioniert aber tatsächlich wohl am besten, indem man seine Bekanntschaften darauf anspricht, Mut macht und immer wieder erwähnt, dass niemand auf nem Barcamp wegen eines schlechten Vortrags zerfleischt worden wäre ;)

4 | talinee | 5.11.2012 um 11:03

@Oliver: So weit, dass ich das teilweise als feindselig empfunden hätte, würde ich nicht gehen. Kann aber auch mit den Sessions zusammenhängen, die ich besucht habe. (Da hatte ich mir ja im wesentlichen Leute rausgesucht, die ich schon kannte.)

5 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 11:05

@Nicole: Ja, das ist echt ein extremes Ärgernis. Eine Quote um die 20% halte ich für inzwischen für völlig ok und damit kann man dann ja auch planen. Darum überbuche ich das Barcamp Stuttgart bewusst und wenn dann doch alle kommen wird es eben etwas enger. Aber das die Hälfte nicht kommt... :-(

6 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 11:08

@Stefan: Danke für dein Feedback - gerade auch von dir als erfahrenem Barcamper. Ich sehe das dennoch anders:

1. Klar soll es auch Klassentreffen sein. Aber die Mischung daraus und der Wissensvermittlung macht es aus. Hier ist die Waage aus meiner Sicht viel zu lastig dem Klassentreffen.

2. + 3. NoShow und Spät kommen: So massiv wie in Hamburg kenne ich das bislang von keinem anderen Camp. Und mit Essen zeigst du selbst, dass es auch anders geht.

4. Ja, es soll nicht um einen Quantitätswettlauf gehen: Aber es ist für mich sympomatisch für den Eindruck, dass es hier wenig um echte Wissensvermittelung ging.

5. Ich würde behaupten, dass die Vorstellungsrunde in Stuttgart gut funktioniert hat. Und wir hatten nicht viel weniger Leute anwesend als in Hamburg zum Start. (Gefühlt, ich mag da falsch liegen.) Und wenn muss aus meiner Sicht eine Alternative wie in Karlsruhe her um die Leute zu "aktivieren".

7 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 11:14

@talinee: Ich sehe, dass mit den Klassentreffen ist missverständlich. Wie ich schon zu Stefan schrieb, soll es das ja auch sein. Hier war es mir zu stark.

Zur Vorstellungsrunde: Genau das, was du hier beschreibst, passiert aber genau so. Unter anderem bin ich so an einen heutigen Kunde gekommen. Und man schließt damit die Leute, die eben von "außen" dazu kommen und noch kein Teil dieser Klasse sind, mehr aus. Ich kenne die Hamburger Klasse kaum und die meisten von dort mich nicht. Und das ist auch leider so geblieben. (Klar, da liegt es dann auch an jedem einzelnen auf andere Leute zuzugehen. Aber in der Summe fördert die Vorstellunsgrunde das massiv.)

Hast du denn mal ein Barcamp mit Vorstellungsrunde mitgemacht? Mein Gefühl sagt mir, dass das ein ganz wichtiger Aspekt ist.

Zu den wenigen Sessions: Ja, die Größe mag ein Faktor sein. Habe ich in Stuttgart (wo wir zum Beispiel am Samstag genau so viele Teilnehmer hatten) aber nicht erlebt. Im Gegenteil: Ich musste einen neuen Raum erfinden um alles unterzubringen. Das alleine scheint mir daher kein Schlüssel zu sein sondern vielleicht auch die Atmospäre, die Oliver weiter oben beschrieben hat? Ich gebe dir aber Recht, dass man da auf die Leute die man kennt, einwirken sollte, dass diese auch eine Session anbieten.

8 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 11:20

Wenn man sich die Hamburger Barcamps seit 2009 im mixxt Archiv ansieht haben jeweils etwa 200 Leute pro Tag abgesagt. Davon mehr als die Hälfte innerhalb von 2-3 Tagen vor dem Event. Die Nachrücker bekommen das oft gar nicht mehr mit oder haben wegen anderer Termine keine Chance mehr zum Barcamp zu gehen. Viele Nachrücker melden sich dann auch sofort wieder ab wodurch Leute nachrücken die noch weiter hinten auf der Warteliste standen und überhaupt nicht mehr damit gerechnet haben einen Platz zu bekommen. Letztes Jahr bin ich nach Hamburg angereist und habe meinen Nachrücker-Platz erst während der Warmup Party erhalten.

Ja, auch Ich bin einer von denen die dieses Jahr erst in den letzten Tagen abgesagt haben. Warum? Da ich bis kurz zuvor nicht wusste ob ich nicht doch nach Hamburg reise, habe ich mich nicht abgemeldet. Würde ich das tun, hätte ich danach durch die vollen Wartelisten keine Chance mehr mich wieder anzumelden.

Wie kann man nun versuchen die NoShow-Quote zu verhindern.
1. Gnadenlos überbuchen, da sowieso nie alle angemeldeten Teilnehmer kommen
2. Teilnahmepauschalen von 19,- pro Teilnehmer die sowohl bei uns in Nürnberg als auch bei allen Events von Stefan für geringere NoShow Quoten sorgen.
3. In den Mails vor dem Barcamp Hamburg klar kommunizieren dass etwa x Personen von der Warteliste nachrücken werden.

9 | Andreas | 5.11.2012 um 13:10

Lieber Jan,

mit diesem Blogeintrag hast du es für mich auf den Punkt gebracht. Danke dafür.

1. eine Vorstellungsrunde ist für mich ein must have und gerade für die die nicht zum Klassentreffen gehen, sondern vielleicht das erste mal auf dem Hamburger Barcamp unterwegs sind, ist es immens wichtig, zu wissen wer eigentlich da ist. Es sei denn es ist das Ziel manche Teilnehmer bewusst auszuschließen? ;) Ich gehe mal nicht davon aus. Und wenn wir ehrlich sind, bei knapp 200 Teilnehmern die halbwegs pünktlich waren, sind wir doch wieder im Zahlenraum dessen was eine Vorstellungsrunde verkraften lässt.

2. Die Sessionsslots sind am Ende nur der Beweis dafür, dass das Format nicht verstanden wurde und dass der Allroundservice noch dazu beiträgt aus potenziellen Teilgebern doch nur Teilnehmer zu machen. Wer wollte konnte einfach zwischen Essen und Getränken stehen bleiben und wurde bedient. Die, ich nenne sie mal, Weiße-Tischdecken-Philosophie führt zu Bequemlichkeit. Leider, aber manchmal ist weniger eben doch mehr.

3. Das Orgateam war wirklich toll und sie haben ein großes Event auf die Füße gestellt, aber manchmal braucht es eben einen Leithammel, der die träge Masse in die richtige Richtung schiebt. "Richtige" meint hier die Barcampregelrichtung.

4. Teilnahmegebühren stehe ich nach wie vor skeptisch gegenüber, es würde noch mehr das Gefühl aufkommen, ich habe bezahlt, jetzt wird mir was geboten. Und manche können sich schlichtweg die 38 € nur schwer leisten. Weil sie mit Anreise und Hotel sowieso schon große Kostenpunkte haben.

5. Ich liebe diese Stadt abgöttisch und auch die Menschen darin, aber so manchmal ist mir die Profitgier too much. Gibt es denn nichts anderes mehr? Wie sagen die Roving Bottles so schön in den 90ern: "Hamburg ist Weltstadt -[...] Ist eine wundervolle Stadt, wenn man genügend Kohle hat." Ist es denn nicht auch moralisch-ethische Verpflichtung gerade von Barcampern einen kleinen Freigeist mitzubringen? Offen zu sein? Na gut, vielleicht träume ich da zu viel. :)

6. Mir fehlte ein wenig der Technikbezug... so viele Entwickler, Social-Media und whatever für Sparten und so wenig Sessions dazu? Wisst ihr denn schon alles?

Wie schon in meinem Blog erwähnt, war ich krankheitsbedingt geschwächt, ergo habe ich mich zurückgehalten was die Reflektion des Barcamps Hamburg anging. Um so mehr erstaunte es mich eben, dass du das ebenso empfunden hast. Es gibt viel zu tun: Haltung ändern und Bewußtsein schaffen.

10 | Melanie Gottschalk | 5.11.2012 um 21:41

@Andreas: Danke für deine Anmerkungen zur No-Show-Rate. Man darf bei den bepreisten Tickets den Orga-Mehraufwand nicht vergessen, denn das reduziert die No-Shows ja nur, wenn Tickets weitergegeben werden können. Und das ist meines Wissens nach ein manueller Prozess, oder?

11 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 22:03

@Melanie: Zu den Punkten, die ich genau so sehe wie du, schreibe ich mal nichts weiter. Aber ergänzend dazu:

Dein Punkt 4: Teilnahmegebühren. Die 19 Euro bei Stefan und Andreas (Barcamp Ruhr bzw. Nürnberg) sind für zwei Tage, nicht pro Tag zu verstehen. Aber auch das kann für den einen oder anderen zu viel sein. Man kann da aber auch klar kommunizieren: Wer sich das nicht leisten kann, schreibt die/den Orga an, begründet das und kann ein Freiticket bekommen. Aber eben als Ausnahme, nicht als Regel. (Hatten wir zum Beispiel beim deutlich höherpreisigen lifeworkcamp auch so gehalten.) Es geht ja nicht um finanziellen Ausschluss von Teilnehmern.

Dein 6: Einer inoffiziellen Umfrage von Rainer Zeh (vom Sponsor Lightwerk) zufolge haben aber ca. 90% aller Teilnehmer sehr direkt was mit Webtechnik oder Social-Media zu tun. Die wenigen Technik-Sessions scheinen also eher daran zu liegen, dass wir Nerds uns inzwischen mit mehr als nur mit Technik beschäftigen.

12 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 22:08

@andreas
gnadenlos überbuchen und nur solange Teilnehmer akkreditieren bis das Haus voll ist. Ergo eine doppelte Anmeldung wenn man so will. Würde vielleicht auch das Lari-Fari einstellen... komm ich heut nicht komm ich gar nicht. ;)

@jan
ha, Frauen denken anders. Ok, für beide Tage 19 € ist auch für Low-Budget leichter zu stemmen.

13 | Melanie Gottschalk | 5.11.2012 um 22:17

@Melanie: Und wenn man das mit dem wir geben 800 Plätze frei, lassen morgens aber nur die ersten 400 rein, klar kommuniziert, dann würden die Leute morgens auch eher kommen. ;-)

14 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 22:28

Ich bin auch ein großer Fan der Vorstellungsrunde. Pünktlich anfangen, dann ist dafür auch Zeit. Auch was die No-Shows und das Catering angeht, stimme ich dir zu.

Wenn ich mir den Timetabler ansehe, sind da aber IMHO kaum ungenutzte Session-Slots (102/110 bei 400 Teilnehmern). Von daher verstehe ich deine Kritik diesbezüglich nicht so ganz. Aber das hat Stefan ja schon geschrieben.

Ich war zugegebenermaßen noch nie auf dem Hamburger Barcamp, und es ist ja eins der größeren. Aber 10 Sessions parallel finde ich schon ganz ordentlich. Da habe ich quasi immer das Problem, dass sich mehrere interessante Sessions überschneiden, was einerseits nicht schön ist.

Andererseits scheint es auch einige relative "softe"/"seichte" Sessions gegeben zu haben (wobei ich ja nur die Titel im Timetabler sehe). Diashows von irgendwelchen Reisen muss ich mir auf einem Barcamp nicht unbedingt anschauen. Es muss nicht unbedingt mehr Technik sein, wie Melanie schreibt, aber etwas mehr Tiefgang wäre schon schön. Aber wenn genug Leute Interesse haben - warum nicht. Spricht aber irgendwo auch für deine These der "Bedient-werden"-Mentalität.

15 | Matthias Gutjahr | 5.11.2012 um 22:40

@Matthias: Klar sind die Lücken per se ok und dürfen sein. Aber wenn ich mich da als Orga auf die Bühne stelle und sagen: "Wirklich keiner mehr mit einer Frage? Daraus kann man auch eine Session machen. Oder mit einer spannenden Technik, die er oder sie noch vorstellen möchte?" Dann sollte man auch die Lücken ruck zuck voll haben.

Bei Romy war die Session ja ein Bericht zur Blogger-Tour. Sprich nicht nur tolle Fotos sondern auch das Drumherum wie das beschrieben Blogger-Briefing, Auswahlkriterien, etc. Das hat für mich gut gepasst. Was die Himalaya-Session angeht kann ich dazu nichts sagen, weil ich nicht mit drin war. Aber auch dann find eich das absolut ok, wenn sich dazu auf einem Barcamp interessierte Zuhörer finden. Zu der Frage, wohin sich Barcamps thematisch entwickeln und was das für das Format bedeutet, will ich die Tage sowieso noch einen weiteren Blogpost schreiben. ;-)

16 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 22:51

Nachtrag zum Thema No-Shows: Ob der Termin Freitag/Samstag da eine Rolle gespielt haben dürfte?

17 | Matthias Gutjahr | 5.11.2012 um 23:31

Erst einmal vielen Dank für das offenes Feedback und die vielen konstruktiven Vorschläge. Folgend meine Meinung zu ein paar Punkten.

@Klassentreffen vs Sessions: Ich sehe Barcamps auch gleichberechtigt als (a) Ort für Networking/Klassentreffen und (b) um frei Wissen aufzuteilen. Deshalb auch - wie in den letzten Jahren auch - die 50-50 Zeiteinteilung.

@No-Show-Rate: Dazu ist schon alles gesagt worden. Für eine NoShow-Rate von 30-40% am Samstag habe ich Null Verständnis! Es macht nicht nur die Planungen von Essen, Getränken, etc. schwer, sondern ist auch extrem unfair gegenüber den mehr als 100 Personen auf der Warteliste. Eine niedrige Anmeldegebühr mit den genannten Sonderfällen finde ich hier einen sehr guten Vorschlag.

@Fr/Sa vs. Sa/So: Die Konstellation Fr./Sa. wurde gewählt, um auch Personen, die das Wochenende nicht für Barcamps nutzen können, einen Besuch der Veranstaltung zu ermöglichen. Das führt/führte dazu, dass das BCHH einen hohen Anteilen von Barcamp-Erstlingen haben. Aus diesem Grund bin ich Freund der Fr./Sa. Konstellation.

@Stimmung in den Sessions: Eine feindselige Stimmung habe ich in den von mir besuchten Sessions nicht wahrgenommen. Allerdings habe ich an beiden Tagen auch nur 2 Sessions gesehen, so dass der Eindruck vielleicht nicht repräsentativ ist.

@Pünktlicher Beginn: D'accord. Nach den Verzögerungen dieses Jahr, würde ich die Sessionsplanung auch konsequent nach vorne ziehen - unabhängig von der Teilnehmerzahl zum vereinbarten Zeitpunkt. Dafür würde ich auch in Kauf nehmen, dass wir weniger Sessions haben.

@Sessionzahl: Ich persönlich war mit der Anzahl der Sessions eigentlich zufrieden. Wir hatten fast alles Slots belegt und 10 parallele Sessions. @All: Besteht hier Interesse an noch mehr parallelen Tracks. Finde, dass es irgendwann zu viel wird.

@OTTO als Sponsor: Es soll keinesfalls der Eindruck entstehen, dass OTTO sich an das Barcamp klammert. Wenn sich gute Alternativen finden und andere Leute für die Orga interessieren, dann sind wir da offen. Ich möchte nur zu bedenken geben, dass der Orgaaufwand, Technik, Catering, etc. nicht zu unterschätzen ist.

Ich glaube das war es erst einmal ... :)

18 | Dennis Kallerhoff | 5.11.2012 um 23:37

@Matthias: Vivian schrieb mir eben auch, dass die krasse No-Show-Rate in den letzten Jahren nicht so war. Und da war das auch schon so. (Zumindest meines Wissens nach.)

19 | Jan Theofel | 5.11.2012 um 23:49

@Dennis: Danke für deine ausführliche Antwort.

Zu dem Klassentreffen-Thema habe ich ja auch schon ein paar Kommentare beantwortet. Mir fehlte da die Balance.

No-Show: Wie war die Rate denn am Freitag. Kannst du da was zu sagen? Am Samstag finde ich sie einfach eine Frechtheit - insbesondere euch als Orgas gegenüber. Und das ist definitiv auch nicht eure Schuld.

Freitag/Samstag: Ich finde man kann da schwer den Unterschied beurteilen. Wenn es sich für euch bewährt hat, dann behaltet das so bei. Ich denke aber schon, dass es anderes Publikum anzieht als ein Samstag/Sonntag-Event. Mehr Newbies - das wäre ein Vorteil. Aber auch mehr Business-Leute, die nur Freitags kommen?

Begin: Was spricht gegen einen Start um 10 Uhr? Und dann eben auch die Leute am Empfang direkt in den Saal schicken (ich lasse da immer sagen: schnapp dir Frühstück und nimm das mit rein) und die Leute auch mit einer Glocke reinholen. (In Stuttgart hatte ich eine große Kuhglocke - die war super!)

Sessionzahl: Ich war ja nicht mit drin. Vielleicht regt ihr zum Beispiel auch Fragerunden als Sessions an. Da wäre ich mir sicher, dass noch mehr geht. Ihr könntet ja drei, vier kleine Räume auf Vorrat halten und wenn man sie braucht, werden sie zugeschaltet.

OTTO als Sponsor: Ich finde die Location super und die Mühe, die ihr euch macht! Wegen mir muss da nichts geändert werden.

20 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 0:11

Hallo Jan und Danke für Dein Feedback zu dem ich als Teil der Orga gerne auch die eine oder andere Anmerkung machen möchte.

Zunächst einmal - seit dem Barcamp 2007 bei Cellity ist eine Menge Wasser die Elbe runter geflossen. Das Barcamp war klein und alle waren in Aufbruchstimmung, wollten sich austauschen und teilen.
Diese Grundstimmung hat sich aus meiner Sicht in den letzten Jahren leider geändert und das nicht nur in Hamburg. Große Barcamps haben oft das Problem, dass es einfacher ist mitzulaufen und das Barcamp Hamburg ist zur Zeit das größte in Deutschland.
Auch ich würde es mir anders wünschen, denke aber nicht das eine andere Location oder weniger Catering dieses Problem lösen würden.

Das Umdenken muss von den Teilnehmern kommen, das aktive einbringen, so wie es sein sollte, kann man leider nicht erzwingen.

Was ich übrigens besonders schade fand - zum Zeitpunkt der Endsession waren gerade mal 1€ pro Teilnehmer gespendet worden, das ist wirklich traurig.

1. Sessions - Auch ich finde 104 von 110 möglichen Sessions nicht unbedingt "viel zu wenig". Am ersten Tag wurden sogar noch Sessions aufgehängt, die nicht auf der Bühne vorgestellt wurden. Ich habe 5 Minuten lang versucht noch jemanden auf die Bühne zu bekommen, leider fühlte sich keiner berufen.

2. Verspätung - Diese hat mich selbst sehr geärgert, hätten wir aber pünktlich angefangen hätte es wiederum weniger Sessionangebote gegeben. Im nächsten Jahr werden wir hier deutlicher kommunizieren wann die Sessionplanung ist und wer dann zu spät kommt hat Pech gehabt

3. Vorstellungsrunde Ich mag Vorstellungsrunden aber aus meiner Sicht liegt die Obergrenze für die Vorstellungsrunde bei 300 Teilnehmern. In Stuttgart kam das gerade so hin, die Aufmerksamkeit ging zum Ende hin aber rapide runter.
Am Freitag waren 320 Personen vor Ort, wenn man 30 Sekunden pro Person rechnet wären das fast 2 Stunden, das ist einfach zu lang.

4. Fr/Sa - Diese Kombination wurde gewählt um a.den Besuch des Barcamps als "Fortbildung" einfacher zu machen und b. damit Familien am Sonntag noch ein wenig Zeit haben. Na ja und wie Du selbst weißt ist der zweite Tag immer der mit der höheren No Show Rate

5. No Show- In den letzten Jahren und auch diesen Freitag lag die NoShow Rate auf dem bchh immer um die 10%, was ein sehr guter Wert ist. Sowas wie in diesem Jahr gab es noch nie und ich kann leider nicht erklären wie es so kommen konnte. Im Laufe des Tages wurde der Wert zwar noch besser (genau Zahlen bekomme ich noch) aber ich finde es wirklich unmöglich denen gegenüber die gerne gekommen wären.

6.Klassentreffen - ich stimme hier mit Stefan überein, es sollte beides sein

7. Liegt es an Hamburg? Am Samstag könnte dem so sein - die Stadt bietet "leider" zu viele Möglichkeiten den Abend auszudehen...

8. Deutlich überbuchen Aus Sicherheitsgründen nicht möglich, ausserdem möchte ich nicht am Counter stehen wenn es dann voll ist. Und wie gesagt - sonst war die NoShow immer im Rahmen.

9. Sessions Wenn Euch was fehlt bietet es an, sprecht jemanden an der die Session halten soll oder stellt Euch auf die Bühne und fragt ob jemand die Session halten will. Ist völlig legitim und so bring man ggf auch Menschen dazu ihr Wissen zu teilen, die sich sonst nicht getraut hätten.

Und was die "Bedient werden Mentalität" angeht - wer mit dem Vorsatz eine Session zu halten auf ein Barcamp kommt lässt sich sicher nicht vom Essen davon abhalten...

21 | Vivian | 6.11.2012 um 0:40

Der Orga Mehraufwand für die Ticketbörse hält sich bei uns in Nürnberg in Grenzen da sich vorher nur Leute ein Ticket kaufen die tatsächlich vorhaben auf das Barcamp zu fahren. Wobei wir bei etwa 300 Teilnehmern die letzten Jahre nicht so schnell an den Stop der Anmeldungen kamen wie in Hamburg oder Essen. Dazu kann Stefan wahrscheinlich mehr sagen.

22 | Andreas | 6.11.2012 um 3:36

@Vivian: Ja, Barcamps haben sich seit wir damals unsere ersten besucht haben, schon verändert. Und sie werden sich weiter verändern. Das wir die heute mit denen damals nicht vergleichen können ist definitiv so. Dennoch sollte die Frage erlaubt sein, wie wir wieder mehr von dem ursprünglichen Spirit bekommen. Einfach nur eine andere Location oder nur anderes Catering bringen da sicherlich auch nichts.

Sessions: Das du fünf Minuten Leute versucht hast zu weiteren Sessions zu animieren habe ich draußen beim Timetabler-Eingeben nicht mitbekommen. Es spricht aber um so mehr für eine Sharing-Unwillige Teilnehmerschaft, die zu einem großen Teil einfach nicht bereit ist, sich einzubringen. Sonst sollten die paar Session-Slots doch leicht zu füllen sein. Es geht mir da nicht um "zu wenig" Sessions sondern genau darum, dass sie diesen Punkt der Bereitschaft zu Geben bei de Teilnehmern aus meiner Sicht vermissen lassen.

Vorstellungsrunde: Vielleicht versucht ihr es zumindest wie ich es von Karlsruhe beschrieben habe. Es darf aber auch keine 30 Sekunden pro Teilnehmer brauchen sondern nur 5-10. Wenn ihr da Ideen habt, wie man das noch verbessern kann (u.a. die oben erwähnten Tags auf den Namensschildern) immer gerne!

Freitag/Samstag: Der Aspekt mit der Weiterbildung ist natürlich auch nicht unwesentlich. Aber das sind halt vielleicht auch genau jene Leute, die sich halt Anmelden um einen Tag zur Fortbildung frei zu bekommen und sich dann berieseln lassen wollen statt sich einzubringen? Nur eine Frage, ich weiß es schlicht nicht.

No-Show: Noch ein Gedanke, wenn es dieses Jahr so ein extremer Ausreißer ist: Lag es vielleicht auch am Termin? Nächste Woche ist ja MonitoringCamp in Hamburg, am Samstag war das eBookCamp parallel und man sagte mir von zwei oder drei weiteren Camps, die im November noch in Hamburg stattfinden werden. Sicher alle keine Konkurrenz zum "normalen" Barcamp schon ihrer Größe wegen. Aber insgesamt vielleicht doch Auslöser einer gewissen (gefühlten) Camp-Überfrachtung? Vielleicht lag aber auch ein anderes spannendes Event parallel, dass wir gerade nicht auf dem Radar haben? Den die Hamburger Szene lockte die letzten Jahre ja auch nicht weniger, oder? ;-)

Deutliches Überbuchen: Ja, das ist in der Tat ein Argument, dass du dagegen anführst.

Und nein: Wer kommt und eine Session "mitbringt", den wird das Catering daran definitiv nicht hindern. Aber ich denke, dass vor allem der Service dabei (und braucht es den wirklich?) schon auch zu einer gewissen Bedient-werden-Mentalität beiträgt.

23 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 7:56

@Andreas: Sprich es wurden gar nicht so viele Tickets umgetauscht, so dass sich dieser Aufwand in Grenzen hielt?

24 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 7:56

Hallo zusammen,

ja die hohe No Show-Rate in diesem Jahr hat mich auch überrascht. Allerdings habe ich sie nun schon mehrmals in Folge erlebt:

ca. 40 % beim Barcamp Mitteldeutschland
ca. 50 % beim Technologiecamp Hannover

Jetzt also auch in Hamburg. Ich sags ganz offen: Leute die sich nicht in der Lage füllen sich abzumelden, egal weshalb sie nicht dran teilnehmen, kann ich als potentielle Geschäftspartner, Arbeitgeber, Arbeitnehmer usw. schlicht und einfach nicht ernst nehmen, da sie mir zu unzuverlässig sind.

Dem kann man wohl wirklich nur noch durch eine Teilnahmegebühr Rechnung tragen um so etwas zu vermeiden. Schade für die, die zuverlässig in Sachen An/Abmeldung und Teilnahme sind.

Allerdings kann ich auch nicht verstehen, wie binnen vier Wochen plötzlich bei der Hälfte der angemeldeten Personen etwas dazwischen kommt. Da schaue ich vorher in meinen Kalender und entscheide dann ob ich Zeit für das Barcamp habe und wenn ich mich da anmelde, dann bin ich angemeldet. Klar, krank werden kann immer jemand, aber sonst?

Ansonsten empfinde ich die Bedienmentalität auch etwas zu weit fortgeschritten. Ich kam mir immer bissel komisch vor, wenn ich nen leeren Teller irgendwo einfach hinstellte, weil ich keine Geschirrablage sah. Ich wäre auch glatt in der Lage gewesen mein Geschirr selbst fortzuräumen auf irgendeinen Wagen, den das Personal dann nur noch hätte in die Küche schieben müssen.

Bezüglich Vorstellungsrunde: 5-10 Sekunden pro Person sind da wirklich ausreichend und wenn ein paar "Profis" das am Anfang richtig vormachen, begreift es auch der Rest und es geht recht fix.

Ansonsten ist klar: größere Camps bringen mehr in Sachen Wissensaustausch, durch mehr Sessions. Zum echten Netzwerken eignen sich kleinere Camps wie das Summercamp Alfeld, das Saarcamp oder auch das Barcamp Braunschweig entsprechend besser. So hat halt alles seine Vor- und Nachteile.

25 | Torsten | 6.11.2012 um 9:02

Ein Gedanke noch zu den No-Shows: Da in Hamburg ja ein digitaler Einlass war (in Stuttgart hatten wir Papierlisten) könntet ihr ja relativ leicht rausfiltern, wer nicht gekommen ist. Wie wäre es, die Leute einfach mal anzumailen und ihnen ein kleines Feedbackformular zu geben, in dem sie angeben, warum sie nicht gekommen sind.

Ich habe eben die Domain barcamp-umfrage.de registriert (wollte ich eh für eine Umfrage zum #bcs5) und könnte euch da kurzfristig was aufsetzen.

26 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 9:34

@Torsten: Das blöde ist ja, dass man eigentlich gar nicht mitbekommt, wer nicht kommt sondern nur die, die kommen... Du müsstest dir also die Mühe machen, herauszufinden, wen du meiden willst?

Was die Vorstellungsrunde und den Service beim Essen angeht bin ich voll bei dir. Und du vergleichst da glaube ich auch nicht mit den "goldenen Jahren" 2006 und 2007 weil du damals noch gar keine Barcamps besucht hast, oder? :-P

27 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 9:43

Ich war dieses Jahr nicht dabei, weil ich nicht schnell genug war und Warteliste war mir zu unzuverlässig.

Bzgl. Eintritt um No-Show zu reduzieren vs. Eintritt ist doof.

Hat jemand schon mal probiert Eintritt zu nehmen und den wieder zu erstatten, wenn man eincheckt?

Bei zwei Tagen Barcamp könnte man pro angemeldeten Tag 10 € nehmen und jeden Tag beim Checkin 10 € mit dem Namesschild zurückgeben. Um dem verspäten Entgegenzuwirken, könnte man die Rückerstattung auch um 12 Uhr einstellen. Dann kann man noch einchecken, allerdings ohne Rückerstattung.

Das ist natürlich erstmal mehr Aufwand für das Orga-Team. Aber alleine, dass man erstmal Geld überweisen muss wird die Teilnehmer schon sensibilisieren.

28 | Marco Pöhler | 6.11.2012 um 10:22

@Marco: Die Pfand-Idee haben wir 2007/2008 diskutiert. Für kleine Gruppen kann das was bringen, siehe u.a. hier.

Für große Barcamps haben wir das verworfen: Es würde nicht nur einen erheblichen Mehraufwand bedeuten, sondern auch die Anmeldung verzögern und es ist auch eine Sicherheits- bzw. Vertrauensfrage gegenüber den Leuten am Checkin. Ok, in Hamburg haben das die Orga-Leute selbst gemacht (warum eigentlich?) aber wir würden hier von 8000 Euro in bar reden...

29 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 11:02

Und die 8.000 € dann auch noch am besten in 10 €-Scheinen....

Nee, das geht nur bei ganz kleinen Veranstaltungen, nicht mehr in diesem Rahmen.

Was auch gerne vergessen wird: es wird auch für so und soviel Leute Essen gekauft. Das muß dann teilweise entsorgt werden und es ist nicht immer möglich überzähliges Essen an eine Tafel abzugeben.

Auch für die Sponsoren wirkt das eher negativ, wenn solch hohe No Show-Raten existieren, denn dann erzeugt deren finanzielles Engagement eine bedeutend geringere Aufmerksamkeit.

30 | Torsten | 6.11.2012 um 13:08

Ich denke auch nicht das der Service jemanden von einer Session abgehalten hat aber nun gut.

Aus meiner Sicht ist der Wille Wissen zu teilen in den letzten Jahren geringer geworden und große Camps sind dabei nicht wirklich förderlich, weil es eben einfacher ist sich in der Masse zu verstecken.

Dazu verändert sich generell das Publikum - Social Media ist hip, jeder will was darüber lernen und so kommen eben auch die Konferenz gewohnten Angestellten zum konsumieren auf barcamps.

Auf die Idee, dass man wie z.B. Liron auch eine sehr private Session halten kann kommt da keiner. Für mich sind es genau solche Sessions die die Highlights auf barcamps sind. Ich habe noch auf der Bühne gesagt - jeder von Euch hat bestimmt eine Leidenschaft oder irgendwas worin er wirklich gut ist - teilt das doch mit anderen in einer Session. Getraut hat sich jedoch keiner.

Na ja und wenn man ganz frech sein will könnte man auch sagen, dass halt ein paar Personen, die früher auf jedem barcamp da waren und immer die gleichen Sessions gehalten haben, genau das eben nicht mehr tun.

Ich hatte schon in diesem Jahr über eine Teilnahmegebühr nachgedacht, die Pfand Idee ist, wie Jan es schon schreibt, nicht umsetzbar.

Warum sollte die Orga nicht am Eingang sitzen? In Hamburg begrüsst man Gäste halt gerne persönlich ;)

Ich habe gerade mal die Zeit gestoppt - ich als "Profi" brauche 9,4 Sekunden für meine Vorstellung, dazu rechnet man Mikro annehmen und weitergeben und schon ist man bei 15 Sekunden. Macht bei 300 Personen 75 Minuten. Die Aufmerksamkeitsgrenze liegt bei 45 Minuten d.h. die restliche halbe Stunde geht einfach unter.. Bei der Menge finde ich tags auf dem Namensschild besser, vielleicht können wir uns für das nächste Jahr auch eine bunte Codierung wie auf der Next 2007 ausdenken.

31 | Vivian | 6.11.2012 um 14:23

@Torsten: Na, No-Show ist auf ziemlich vielen Ebenen blöd: Für die Sponsoren, das zu viel an Essen (zumindest in so großem Rahmen, etwas No-Show rechnet man ja ein), für diejenigen auf der Warteliste... Darum ja auch die Idee einer Umfrage - vielleicht hilft uns das, dass Phänomen besser zu verstehen und die richtigen Anreize zu setzen, eben kein No-Show zu sein.

32 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 15:32

@Vivian: Ja, der Wille Wissen zu teilen hat (auch durch ein anderes Publikum) in der Tat abgenommen. Und ich will ja auch Newbies auf Barcamps haben und die mit dem Sharing-Spirit anstecken - das soll ja so sein. Aber um so mehr sehe ich unsere Aufgabe als Orgas eben darin, diesen Spirit zu erwecken. Wie? Gute Frage!

Was können wir also tun, wenn wir ein Publikum vor uns haben, wo keiner seine Leidenschaft mit anderen teilen will oder vielleicht will, sich aber nicht traut? So wie du das ja leider beschreibst. Und ja, die privaten, "intimen" Sessions sind meistens die Highlights.

Auf diese Sache beziehe ich mich auch mit dem Essen: Klar verhindert Service beim Catering keine Session. Aber es fördert eben das Sich-Bedienen-Lassen und damit den Trend weg vom Wissen teilen, den wir eh schon genug haben.

Was den Empfang angeht: Wenn ihr das machen wollt. Mir wäre das zu viel. Aber ok, im Team ist es machbarer und eine persönliche Begrüßung ist ja auch was schönes. :-)

Was die Vorstellungsrunde angeht: Ich glaube da kommen wir einfach nicht zusammen. Und müssen wir ja auch nicht. Ich will soweit möglich die große Runde beibehalten aber eben auch neue Ideen mit hinein integrieren. Und ihr macht es eben ohne. Bleibt die Frage offen, ob die Runde den Sharing-Spirit fördert - was wir nie wirklich beantworten können werden.

33 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 15:39

Ihr führt hier eine spannende Diskussion mit sehr vielen guten Fragen, die ich mit großem Interesse verfolge. Ich war nicht auf dem Barcamp in Hamburg (paßte für mich terminlich nicht) und habe auch erst dieses Jahr meine ersten Barcamps besuchen können (das Thema habe ich vorher schon mit großem Interesse verfolgt) - ich war bei eher kleineren Barcamps wie dem Barcamp Düren, dem scicamp in Essen, dem Barcamp in Siegen, dem Corporate Learning Camp in Frankfurt und als einziges "größeres" Barcamp in Karlsruhe.

Ich bringe daher noch ein bißchen den "Newbie-Blick" mit!

Wenn ich an meine ersten beiden Barcamps in Düren und Karlsruhe zurückdenke, so muß ich sagen, daß mich das aktive Einbringen schon etwas Überwindung gekostet hat. Ich fühlte mich sehr fremd, alle um mich herum kannten sich (ich kannte niemanden) und alle stürzten sehr selbstbewußt nach vorne als es um die Sessionplanung ging. Bei der kleinen Gruppenvorstellrunde in Karlsruhe hatte ich den Nachteil, daß bei mir am Frühstückstisch lauter Leute saßen, die sich untereinander kannten, so daß die Vorstellung etwas "unter ging".

Ja, es ging trotzdem gut und und es hat mir - bei allen Barcamps - trotzdem Spaß gemacht. Aber der Einstieg ist so nicht leicht. In Siegen gab es eine Vorstellrunde mit den berühmten drei #tags - ehrlich gesagt konnte ich mir kaum die Namen und Gesichter merken, das war auch nicht effizient. Was ich mir persönlich mittlerweile als "Alternative" überlegt habe (und vielleicht könnte man das ja mal als Session auf einem Barcamp "testen"): eine Art kleine World-Café-Runde für die Menschen, die etwas mehr "Aufwärmphase" brauchen - mit Fragen im Sinne von "was verspreche ich mir vom heutigen Tag", "welche Themen habe ich mitgebracht und möchte ich mit Euch teilen", "zu welchen Fragen/Themen" möchte ich etwas mitnehmen.

Was ich beim Barcamp Siegen gut fand: dort gab es die Möglichkeit nach der Mittagspause noch mal Sessionvorschläge zu machen - in großer Runde. Dadurch konnten auch spontane Ergänzungen noch "eingearbeitet" werden.

Ein zweiter Aspekt, der mir bei vielen Sessions aufgefallen ist: es werden vielfach "fertige" Vorträge gehalten, die keinerlei Nachfrage/Diskussion/Austausch erfordern. Natürlich ist es spannend, Vorträge zu neuen Themen zu hören - aber manchmal hätte ich mir auch gewünscht, mehr gefragt zu werden oder mitdenken zu sollen. So war es manchmal eher eine Unternehmenspräsentation, die mich auch irgendwo "alleine" gelassen hat. Soweit die "Newbie-Ansichten" aus Wuppertal!

34 | Astrid Christofori | 6.11.2012 um 16:20

Da im Laufe der Diskussion auch das bcmd gefallen ist und ich als Teil der Orga des BarCamp Mitteldeutschland leider auch die Erfahrung einer aussergewöhnlich hohen NoShow Rate machen durfte, will ich auch mal meinen "Senf" dazugeben. :)

Beim diesjährigen bcmd waren es Sa vormittag ca. 60% NoShows, was sich bis zum Nachmittag auf 50% "verbesserte" und am Sonntag waren es auch ca. 50%. Die Thematik Warteliste gab es bei uns zwar nicht, dennoch finde ich es sowohl aus Orga-Sicht als auch allgemein ziemlich daneben. In meinen Augen hat soetwas auch etwas mit Respekt und Anstand zu tun. Punkt. Jeder würde es in einer umgekehrten Situation selbst auch doof finden, wenn angemeldetet Gäste zu seiner Veranstaltung nicht auftauchen ohne sich vorab abgemeldet zu haben.

Ich war in diesem Jahr in HH nicht dabei (war aber auch nicht angemeldet!) aber ein paar Aspekte sind hier ja auch eher ein grundsätzlicher Diskussionspunkt.

Ich hatte es gestern ja bereits via Twitter kurz erwähnt. Die Aussagen von Jan und Feedback zum bcmd12 gehen teilweise konträr. Beim bcmd12 gab es Feedback, es wäre zu wenig Klassentreffen und zuviel reine Sessions/Themen und Jan schildert es oben genau umgekehrt.

Letztlich - und dies wurde ja bereits geschrieben - sollte es beides sein. Soetwas liegt aber meiner Meinung nach nur zu einem sehr geringen Teil in den Händen der Orga sondern muss durch die Teilnehmer selbst gesteuert werden. Orga kann hier evtl. etwas "lenken" aber auch dies nur sehr bedingt.

Was das Thema zu wenige Leute bieten Sessions an betrifft: vielleicht sehe ich das falsch, aber nicht jeder ist dazu geboren vor einem grösseren Publikum zu sprechen bzw. möchte vielleicht auch erstmal nur schauen. Das finde ich persönlich ledigitim und vollkommen ok. Und bei einer Anzahl von über 100 Session von zu wenig zu sprechen erscheint mir auch etwas übertrieben.

Auch heisst "Wissen teilen" ja nicht, dass da jeder dazu vorn stehe muss. Manche sind vielleicht super Zuhörer und bringen sich dann als Sessionteilnehmer produktiv in Diskussionen bzw. den Austausch ein?

Andere denken vielleicht, dass ihr Thema den Grossteil nicht interessiert bzw. soetwas nicht auf ein BarCamp gehört? Die Kritik an den Reiseberichten gab es ja weiter oben schon. Ich persönlich finde, dass es unterm Strich vollkommen egal ist, was man als Thema anbietet. Solange sich Teilnehmer finden, die diese Session interessant finden, ist dies Legitimation genug.

Das Thema Vorstellungsrunde: hier stimme ich Vivian zu. Selbst beim ccb12 war es gegen Ende doch schon recht unruhig und bei über 300 Leuten wird dies sicher nicht besser. Ich persönlich halte Vorstellungsrunden schon für wichtig und sie dienen auch klar als "Eisbrecher" aber es sollte zeitlich noch im Rahmen bleiben.

Allgemein noch so viel:

Als BarCamp Orga sollte man natürlich schon die Veränderungen und Entwicklungen beobachten und schauen, wie man dem Rechnung trägt bzw. ob oder wenn was man verändert um Camps weiterhin attraktiv zu halten.

Wichtig ist aus meiner Sicht aber auch, dass man die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Teilnehmern berücksichtig und hier nicht pauschal auf Leuten herumhackt, die eben (noch) keine Session halten wollen. Die Mischung unterschiedlicher Menschen macht - zumindest für mich - ein BarCamp aus. Und manche Leute entwickeln sich vom stillen Zuhörer über einen engagierten Mitdiskutanten letztlich vielleicht zu einem regelmässigen Sessiongeber.

35 | Steve | 6.11.2012 um 16:34

Lieber Steve,

deine Gedanken sind gut nachvollziehbar. Aber 75% die nicht in der Lage sind sich vor eine solche Truppe zu stellen? :) Dann sollten wir das zum Thema machen. Meins ist es auch nicht, aber ich denke das Format ist klar definiert. Reines "Nehmen" ohne zu "geben" ist der Killer einer solchen Veranstaltung. Und Vivian hat sich wirklich bemüht noch ein Paar Sessions zu fordern. Das ist wie wenn der Lehrer nach einem Freiwilligen fragt... da schauen viele gerne weg.

36 | Melanie Gottschalk | 6.11.2012 um 20:47

@Astrid: Welche Faktoren könnten denn aus "Newbie"-Sicht (also fast, du hast ja nun auch einige Camps besucht...) denn helfen, diese Hemmschwelle abzubauen? Denn das ist ja genau die Frage, vor der wir scheinbar immer mehr stehen. In Stuttgart erkläre ich beispielsweise, dass inhaltlich alle(!) Teilnehmer aufgefordert sind, sich einzubringen, und dass man auch mit einer Frage eine Session anbieten kann. Man könnte zum Beispiel auch erst die "Neulinge" (alle, die noch nie eine Session gehalten haben) auffordern ihre Sessions vorzuschlagen und erst danach die alten Hasen ranzulassen.

Eine solch intensivere Vorstellungsrunde kann man in einer ersten "Barcamps für Newbies"-Session mit einbauen und ist meines Wissens nach auch teilweise schon geschehen.

Mittags eine zweite Sessionplanung zu machen halte ich für eher ungeschickt. Der Vorteil wäre, dass Newbies bis dahin "auftauen" können und sich mit einbringen können. (Den Effekt gibt es aber auf jeden Fall am zweiten Tag auch.) Aber es braucht noch mal extra Zeit und eine klar definierte Mittagspause - was es auf vielen Camps inzwischen nicht mehr gibt. (Nehmt euch einfach eine Session "frei" oder nehmt Essen mit in die Sessionräume lautet dann die Devise.) Dann noch die Leute auch wieder zusammenbringen. Zumal man dann oft nur eine oder maximal zwei Sessionslots vorher hat, weil man oft erst gegen 11 oder 12 Uhr mit den Sessions startet. Da würde ich das Board lieber morgens voll machen.

Was die Vorträge angeht: Reingrätschen! Stell Rückfragen, Ergänze/Widerspreche dem Referenten wo du Fachwissen hast. Ich habe manchmal auch Folien dabei, weil ich die zu dem Thema eben sowieso habe, nutze die aber nur bedingt oder teilweise und lasse mich auf das ein, was die Teilnehmer von mir wollen. Und das dürft ihr dort bei jedem Sessionleiter einfordern.

37 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 23:41

@Steve: Generell stimme ich dir in weiten Teilen zu was du sagst: No-Show in den genannten Ausmaßen ist eine Missachtung des Events und damit der anderen Teilnehmer, Sponsoren und Orgas. Das geht einfach nicht. Da sind wir uns glaube ich alle einig. Das Klassentreffen-Sessions ist wie eine Waage, die halbwegs im Gleichgewicht sein muss. Und ja, jeder bringt sich so ein, wie er kann - das müssen keine Sessions sein - stimmt! Und 100 Sessions sind ok, aber 5 Minuten danach fragen und es kommen bei dem großen Publikum keine mehr? Hmm. Und ja es darf jedes Thema kommen an dem Interesse besteht (auch Reiseberichte) - gerade das sollte es ja sogar noch leichter machen, Sessions zu geben.

Ich denke aber, dass wir bei all den Punkten als Orgas mehr tun können. Meiner Meinung nach, ist es (auch) unsere Aufgabe einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Menschen öffnen. Das ist dann schon eher die psychologische Schiene, indem wir in der Eröffnung den Leuten immer wieder klar machen, dass sie alle zusammen für den Inhalt und die Qualität und Tiefe der Sessions verantwortlich sind. Das wir sie ermuntern eigene Sessions zu halten und eine Offenheit, in der man sich leichter traut. Das ist ein weites Feld und ich denke wir sollten einfach versuchen noch bewusster damit umzugehen.

Und da schließt sich für mich der Kreis zu dem was du auch schreibst: Wir sind als Orgas gefordert Änderungen wahrzunehmen, zu reflektieren und uns bzw. das Barcamp daran anzupassen. Und wenn wir (da sind wir uns glaube ich auch einig) ein Schwinden der Bereitschaft sich einzubringen (in Sessions/mit eigenen Sessions/Mithilfe/etc.) erkennen, uns zu fragen wie wir dem entgegenwirken können. Meine Antwort ist eben jene, dass wir uns über die psychologischen Hemmschwellen, Eisbrecher und Co klarer werden und diese viel bewusster einsetzen sollten.

38 | Jan Theofel | 6.11.2012 um 23:56

@Jan: Hier der Link zu unserer Ticketbörse: http://bcnue.mixxt.de/networks/wiki/index.Ticketboerse
Zusätzlich haben noch einige Leute direkt über andere Kanäle getauscht. Insgesamt aber relativ wenige.

@Torsten: Das mit den 4 Wochen vorher sagt sich so einfach. Innerhalb von 4 Wochen kann vieles passieren. Geschäftlich und Privat.
Außerdem gibt es mittlerweile so viele Barcamps und andere Events dass die Wichtigkeit der Teilnahme an einzelnen Events abnimmt.

@ Steve: Am Barcamp Mitteldeutschland war ich nicht, weil ich kurzfristig genau an dem Wochenende sehr viel zu tun hatte. Dafür konnte ich eine Woche später zum Educamp in Illmenau. Das hätte arbeitstechnisch auch genau anders herum laufen können.

Vor dem Barcamp Hamburg wusste ich wegen zwischenzeitlicher Erkrankung bis zum Testlauf 3 Tage vorher nicht ob ich meinen Marathon laufe. Die Chancen waren etwa 50:50. Melde ich mich deswegen 10 Tage vorher in Hamburg ab komme ich danach nicht mehr rein.

@Marco: Die Erstattung beim Check-In würde tatsächlich höheren Orgaaufwand bedeuten, zumal die Amiando Gebühren zu dem Zeitpunkt schon weg sind.

Aus Orgasicht verstehe ich das Thema NoShow und die Folgen daraus durchaus. Essen, Sponsoren die mit mehr Teilnehmern rechnen und ein Orgateam dass viel Zeit investiert und durch die NoShow Rate enttäuscht wird. Inzwischen musste ich mich selbst aber auch kurz vor Events abmelden und kann verstehen das es anderen genauso geht. Da hilft dann wieder nur überbuchen und eine Teilnehmerpauschale.

39 | Andreas | 7.11.2012 um 1:10

Ok, jetzt muss ich doch als Flügel des kapitalistischen Barcamps Arms und als Sponsor auch mal etwas loswerden.

Ich war bis zum Barcamp Hamburg jetzt Jahre nicht mehr auf Barcamps und hatte in Hamburg das erstmal das Gefühl, dass sich bei euch etwas bewegt hat. Ich spreche immer von euch, da ich schon der Meinung bin, dass die Urbarcamper schon eine bestimmte Denke mitbringen.

Ihr hattet eine tolle Location, ihr hättet tolles Catering mit Service und und und. Aber was macht jetzt draus ? Ihr macht euch wieder ganz tiefgreifende Gedanken. Das zeigt mir als relativ Außenstehender, dass ihr euch in den Köpfen kaum bewegt habt und das finde ich Mega schade.

Ich will mal meine Situation beschreiben. Als Sponsor sind 50% Noshow ein Unding. Ich weiß um die Schwächen der Barcamps, da ist es nicht ganz so schlimm, aber andere Sponsoren werden sich bei dieser Geschichte an den Kopf fassen.

Aus Teilnehmersicht kann ich sagen, dass euer System schwierig ist. Klar, ist alles alt hergebracht und es liegt ein gutgemeinter Grundgedanken darunter, aber war daraus entsteht ist etwas.

Ich persönlich mag die Vorstellungsrunden überhaupt nicht. Ich komme nie völlig unvorbereitet zu einer Veranstaltung. Das es technische Probleme geben kann, klar. Aber wenn ich etwas mitgebracht habe und im Vorfeld Zeit investiert habe (Ja, ganz im Gegensatz zu den NoShowern) dann finde ich es total widersinnig andere über mein Thema abstimmen zu lassen. Die Stunden Arbeit kann ich dann wieder mit nach Hause nehmen oder wie ? Auch, dieses Hochstürmen um die besten Slots zu bekommen nervt total. Als Newbie kenne ich die Abläufe nicht, dass wirkt komisch. Wenn ich also zu lange warte dann muss ich mich hinten anstellen. Weil ich etwa bereit bin zu teilen, muss ich mich präsentieren und bewerten lassen ? Nein, Sorry Leute.

Ich selbe habe etwas beigesteuert, weil ich das System der Barcamps unterstützen wollte. Das System von Geben und Nehmen ist mir sehr sympathisch, aber zwischen den beiden Wörten steht der Mensch und den bekommt ihr nicht mit Idealen gepackt. In meinem Fall war es so, das i h mich der Sessionrunde bei der Vorstellung verweigert habe. Das hatte zurmFolge, dass ich nur noch einen Slot im großen Ottoraum bekommen habe. Mir war es Recht, aber die Beginner würden bei der Größe sicherlich den Schwanz einziehen.

Wenn ihr für die Barcamps nicht versteht, dass die Karavane weiterzieht und in vielen Teilen professionelle geworden ist, dann wird es schwierig. Die Menschen werden durch die wachsende Online Industrie auf Normalkonfernezen getrimmt. Dem müsst ihr euch in Teilen anpassen. Wenn ihr es nicht schaffen solltet, dann werdet ihr kein professionell Knowhow in das Barcamp bekommen. Für,die Menschen, die das Wissen professionell mit sich rumtragen müsst ihr einen Mehrwert darstellen. Von diesem Menschen wird eine gewissen Professionalität erwartet und die ist mit dem Veranstaltungssystem nicht umzusetzen. Da gehört auch Überzeugungsarbeit dazu. Überzeugen kostet Zeit. Zeit ist Geld auch wenn das einige nicht höheren wollen und Geld bekommt man für die Orga nicht.

Wenn ihr nicht aufpasst, dann werdet ihr ein Kessel der Onlinegestrandeten.

Sorry, Jan, du weißt, dass ich das System in der Basis liebe, aber die Welt da draußen ist anders. Spielt doch MIT dieser Welt und werdet nicht zum Spielball. Das hätten Barcamps gar nicht nötig. Und eines ist in meinen auch klar. Mit Freiheot können Menschen nur unter guter Anleitung umgehen. Es braucht einen Leithammel mit Idealen, der dann auch eine Linie durchsetzt. Keine Tyrannen, sondern leitende Idealisten. Dann würde die Zeit des Laberns in die Planung fließen. Das wäre toll.

Ich hoffe, dass kommt jetzt nicht in die Kategorie : Wie man eine shitstorm auslöst.

Ich hab's auf dem iPad geschrieben, Sorry, für Fehler.

40 | Marco Janck | 7.11.2012 um 5:44

@Andreas: Danke für den Link zur Ticketbörse. Das war ja euch nicht viel, was da getauscht werden musste.

Und ja: 4 Wochen vorher gibt es Unwägbarkeiten und manchmal auch die Woche vorher. Aber dann sollte man aus meiner Sicht so fair sein, sich eine Woche vorher abzumelden und die Plätze für Leute freizugeben, die sicher kommen können.

Aus Orga-Sicht müssen wir ein Stück weit damit leben. Ich halte z.B. 20% für ok und kalkulierbar. Aber wenn es dann 50% sind... :-(

41 | Jan Theofel | 7.11.2012 um 8:01

@Marco: Ja, es hat sich viel entwickelt. Von den sehr hemdsärmlichen Veranstaltungen hat sich vielerorts die Orga professionalisiert und muss hinter "normalen" Events oft nicht zurückstehen. Das finde ich total super und anerkenneswert.

Wir haben aber innerhalb dieses Rahmens auf Teilnehmerseite Trends (sich weniger einbringen, zu hohe No-Show-Raten) über die wir uns denke ich einig sind und bei denen wir versuchen gegenzusteueren. Das der Rahmen dabei auch kommerziell sein darf wie bei deiner SEOCAMPIXX - damit habe ich persönlich zum Beispiel gar kein Problem. Ich selbst werde heute zwei Gespräche über für mich bezahlte Barcamps führen, weil ich eben auch von etwas leben muss. (Aber Stuttgart und das lifeworkcamp bleiben meine None-Profit-Camps. Klar!) Aber auch das sehen andere anders.

In Stuttgart haben wir letztes Jahr auch darüber nachgedacht, wie wir wieder mehr "Profis" auf Barcamps bekommen. Und ich glaube der Weg dazu sind Themencamps, bei denen Profis unter sich sind und Barcamps werden einen Trend haben, sich thematisch aufzufächern und breiter zu werden. Das finde ich total in Ordnung. In beiden Fällen ist es aber wichtig die Leute zu überzeugen, zu motivieren und mit ihnen viel zu kommunizieren. Und ja, das kostet einen damit quasi Geld. Da kann jeder Orga selbst entscheiden, ob er das ehrenamtlich machen will.

"Mit Freiheit können Menschen nur unter Anleitung umgehen." schreibst du. Ja. Ich glaube wir sind genau an dem Punkt, wo wir die Anleitung mehr als früher geben müssen. Meine Eröffnung (inkl. der zu langen Sponsorenvorstellung) auf dem Barcamp Stuttgart hat daher 45 Minuten gedauert. Weil ich (unbewusst) ganz viel Anleitung mit drin hatte. Und die zwei Wochen Arbeit zuvor waren bestimmt zur Hälfte Teilnehmerkommunikation. Der Rest passiert fast von alleine, weil ich da auf bewährte Settins zurückgreife.

Wo wir nicht zusammen kommen, ist die Sessionvorstellung. Die ist für mich absolut essentiell und macht das Barcamp aus. Das man das so umgeht wie Du und seine Session nicht ankündigt sondern einfach anpinnt - da habe ich wenig Stress mit. Aber Sessions werden für mich vor Ort festgelegt und da gibt es auch fast nie Ausnahmen.

42 | Jan Theofel | 7.11.2012 um 8:17

@Marco Weil sich hier Leute Gedanken machen, sagt das für dich sie hätten sich kaum bewegt? Interessanter Ansatz und vielleicht kannst du den erläutern?
Die vorher benannten Kritikpunkte zeigen mir zumindest, dass es den Wunsch zum Austausch gibt und Lösungstrategien gesucht werden.

43 | Melanie Gottschalk | 7.11.2012 um 8:38

Hmmm, verstehe die intensive Diskussion nur bedingt. Letztendlich ist es die Aufgabe der Orga, eine Plattform bereitzustellen. Und die Teilnehmer sind letztendlich Teil der Plattform und machen daraus das, was sie wollen.

Es gab ein umfangreiches Sessionangebot, das vielfältigen Input bot. Da auch nur ansatzweise zu kritisieren, man hätte ja leicht mehr machen können (mehr Räume, mehr Sessions), finde ich problematisch - da gibt es kein richtig oder falsch. Wenn die Teilnehmer nicht mehr machen wollten, dann ist das so. Und das musst Du, Jan, bei allem nachvollziehbaren missionarischen Eifer vielleicht auch einfach akzeptieren. Irgendwann endet die Verantwortung der Orga.

44 | Stefan Evertz | 7.11.2012 um 9:07

@Stefan: Genau das sehe ich eben (inzwischen) anders. Gerade bei den Barcamps mit denen wir "groß geworden sind" hat es oft gereicht als Orga einen Rahmen zu stellen und die Teilnehmer haben ein geniales Barcamp daraus gemacht. Damals war das vom Publikum her einfach so. (Und ist es heute auf einigen Camps denke ich immer noch, die eine "spezielle" Klientel haben.)

Jetzt wo Barcamps mehr Mainstream werden, reicht vielleicht einfach nicht mehr aus. Ich glaube wir können da mehr reingeben und damit auch mehr Einbringen bei den Teilnehmern bewirken. Je mehr wir es schaffen, das Feuer für Barcamps in uns auf die Teilnehmer zu übertragen, desto besser.

Ich nutze ja öfters das Bild mit der Staffelei, die man als Orga aufstellt. Was die Teilnehmer darauf malen, ist ihr Ding. Wenn wir nun sehen (und das ist mein Eindruck), dass die Teilnehmer mehr mit Blau malen denn mit Rot, können wir dem entgegenwirken in dem wir mehr Rot bereitstellen.

Dabei geht es mir nicht um die Menge der Sessions per se. Das ist nur ein Symptom und ein Camp mit weniger Sessions kann besser sein als eines mit ganz vielen Sessions - ganz klar. Für mich war es die Stimmung insgesamt, die sich auch in der Menge ungenutzten Sessionslots ausdrückt. Aber bei weitem nicht nur.

45 | Jan Theofel | 7.11.2012 um 13:07

Möglicherweise kommen wir da wirklich nicht zusammen. Denn um da in deiner Metapher zu bleiben: Wenn die Teilnehmer mehr mit Blau malen als mit Rot, dann ist das eben so - das muss man als Orga aushalten und akzeptieren. Denn es ist nicht nur so, dass die Teilnehmer malen können und sollen, was sie wollen, sondern auch mit der Farbe, die ihnen gefällt. Wenn man versucht, da andere Farben hinzuzugeben, versucht man zu kuratieren und auch irgendwo zu werten, weil ja etwas fehlt. Und das ist in jedem Fall nicht Sache der Orga...

46 | Stefan Evertz | 7.11.2012 um 13:27

Sorry wenn ich jetzt etwas blöd reingrätsche, aber allmählich klingt mir das hier nur noch nach "früher war alles besser!"

Und um die zwischendurch gestellte Frage von Jan zu beantworten: Ja, ich war auch schon auf anderen Camps mit Vorstellungsrunden, sowohl in kleineren Städten als auch auf ThemenCamps. Ich mag die Vorstellungsrunden nach wie vor nicht, zumindest bei mir funktioniert es wirklich nicht, mir das zu merken. Daher ist das für mich komplette Zeitverschwendung. Nach mehr als 30 Leuten bin ich komplett raus. Und ich glaube auch nicht, das ich damit allein auf weiter Flur stehe. Und dann noch 270 weiteren Menschen zuhören, da sinkt die Motivation aber sofort nach ganz unten.

Und zum Thema trotz ewiger Nachfragen wurden keine Sessions mehr angeboten kann ich nur für mich selbst sprechen und sagen: Stimmt doch gar nicht! Ich bin Freitag früh persönlich noch auf die Bühne auf der Vivian alleine stand gesprungen, hab meine Nervosität überwunden und meine Session doch angeboten (ich hatte mich nicht mit angestellt, weil ich eigentlich doch den Schwanz eingekniffen hatte. Das vermehrte Nachfragen hat mich dann aber doch noch hochgezogen). Insofern hat die Orga, bzw. in diesem Fall eben Vivian, doch klar etwas unternommen und mindestens Session 102 rausgehauen. Und ich kann mich auch erinnern, dass noch jemand nach oben ging während ich als fast Letzte draußen meinen Zettel anpinnte.

Und wenn man mal einen BarCamp-Newbie aus dem letzten Jahr gefragt hat (hatte z.B. eine junge Kollegin sozusagen mitgebracht), hielt sie ihr erstes BarCamp auch für viel großartiger als das zweite oder das dritte. Man muss sich irgendwann auch darauf einstellen, dass der Drops mal gelutscht ist und es nicht jedes Jahr immer besser wird.

Das klingt jetzt alles total meckerig, so ist es gar nicht gemeint. Ich finde insgesamt die Diskussion hier ja auch ziemlich gut und auch sehr wichtig. Aber wir leben nun mal nicht in Utopia. Die Welt steht nicht still. BarCamps verändern sich. Menschen machen PowerPoint-Präsentationen. Andere nicht. Beides ist nicht so schlimm. Ich habe jedenfalls auf dem BarCamp Hamburg 2012 wieder einmal eine Menge gelernt und war begeistert und inspiriert von diesen zwei Tagen, und nebenbei hab ich nicht nur insgesamt drei Sessions (mit) angeboten sondern auch quasi bei jeder Zigarette vor der Tür und jedem Stück Kuchen mit jedem Gesprächspartner ein tolles Gespräch mit spannendem Wissensaustausch gehabt. So. :)

47 | talinee | 7.11.2012 um 20:59

@Stefan: Aber nicht wenn wir wissen, dass es eine gewisse Menge Rot braucht, damit ein harmonisches Bild entstehen kann, oder?

48 | Jan Theofel | 8.11.2012 um 7:40

@talinee: Ja, die Welt und Barcamps verändern sich definitiv. Und da will ich auch nicht sagen, "früher war alles besser" - es war anders. Und in Teilen begrüße ich den Wandeln absolut. Aber in gewissen Punkten sollten wir uns überlegen, was der Wandel mit dem Format mittelfristig macht, ob wir das wollen und - wenn nein - wie wir gegensteuern können. Und aus meiner Sicht braucht es da ein Gegensteuern - was andere offensichtlich anders sehen.

Ich habe auch nicht den Anspruch, dass Barcamps immer besser werden müssen. Da macht uns die Psychologie (das erste war immer das beste) als auch die natürliche Limitation des Formats einen Strich durch die Rechnung.

Was die Sessionplanung angeht: Ich war wie gesagt nicht im Raum sondern draußen und habe die Sessions eingetippt. Ich habe mich daher auf das bezogen, was andere gesagt/Geschrieben haben. Danke für deine Ergänzung, dass das wohl so auch nicht stimmt.

49 | Jan Theofel | 8.11.2012 um 7:49

@Jan: Nein, mein Ziel und auch meine Aufgabe als Orga ist es nicht, im Rahmen eines BarCamps ein "harmonisches Bild" zu malen. Das würde voraussetzen, dass ich versuche Dinge auszugleichen, Themen abzurunden, etc - das wäre "kuratieren" und das ist dass, was bei einer klassischen Konferenz passiert und passieren soll, nicht aber bei einem BarCamp.

Einerseits sprichst du da vom Feuer, was auf die Teilnehmer übertragen werden soll, damit sie sich begeistert einbringen, andererseits versuchst du, das so zu steuern, dass es "richtig" brennt. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, dass du selber nicht an die Kraft der Gruppe und des Formats glaubst - in jedem Fall ist deine Argumentation widersprüchlich.

Ich glaube nicht, dass wir hier ein harmonisches Format haben, ganz im Gegenteil. Weil es sich aus den konkreten Interessen und Bedürfnissen der Teilnehmer vor Ort speist, ist es sehr tendenziös und kann auch ganz andere Schwerpunkte haben als vorher absehbar war - das ist einer der Punkte am BarCamp, die ich so mag: Man weiß nicht, was einen erwartet und in welche Richtung es kippen mag. So ist das fbcamp (das BarCamp rund um Facebook) aus der Beobachtung entstanden, dass letztes Jahr beim CommunityCamp gefühlte 2 von 3 Sessions "Facebook" als Thema hatten.

Insofern: Ich finde diese Gestaltungsmöglichkeiten und den Spielraum gerade aus Teilnehmersicht sehr wichtig. Und sehe ihn eigentlich bei allen Camps, die ich in diesem Jahr besucht habe, als definitiv gegeben an (bis auf eine Ausnahme, aber das war nicht Hamburg ;-). Und ich sehe da weiterhin keinen Korrekturbedarf...

50 | Stefan Evertz | 8.11.2012 um 8:19

@taaline hihi :) du sollst dir doch gar nicht alle Teilnehmer und ihre Tags merken. Das geht eh nicht. Da gilt es selektiv zu agieren. Die Paar Menschen die mit ihren Tags deine Aufmerksamkeit erregen, die merke dir und sprich sie an. Es ist demzufolge eine Basiskompetenz die irrsinnige Informationsflut zu bändigen. Es stimmt, du warst eine von wenigen die sich permanent offen und Gesprächsbereit gezeigt haben. (Auch eher eine Typensache und tagesformabhängig.)

Zum Thema "früher und damals" bin ich bei Jan, die Urbarcamper" sind aus anderen Motiven und selbstinszeniert, (überspitzt "freigeistig") zu den Camps gefahren. Nun haben wir einen sanften Mainstream, weil sich das Format bewehrt hat. Sollen wir deshalb das Format ändern oder wäre das nicht gleichzeitig kontraproduktiv? Wir nehmen doch eh permanent Dinge hin die wir nicht ändern können, aber dort wo wir was tun können sollen wir schweigend zusehen? :) Mehr Teilnehmer als Teilgeber und die no-shows sprechen doch leider eine klare Sprache. Manchmal ist es eben sinnvoll auf ältere Werte zu verweisen.

51 | Melanie Gottschalk | 8.11.2012 um 8:41

@Melanie Haha, nein, dass ich mir nicht alle Teilnehmer mit Tags merken soll ist mir absolut klar :) Aber ich bin nunmal so höflich erzogen worden, die Menschen, die gerade (auch) mit mir sprechen, anzusehen und nach 30 Gesichtern habe ich das erste Gesicht von demjenigen, der mich interessiert, wieder vergessen. Das wollte ich damit erklären ;)

52 | talinee | 8.11.2012 um 11:24

@Jan Ich habe mal versucht, meine Gedanken zum Thema in einem eigenen Beitrag zusammenzufassen und zwar hier:
http://socialmediatagebuch.wordpress.com/2012/11/23/gedanken-zum-thema-barcamp/

Problem 1: beim neuerlichen Lesen Deiner Antwort ist mir aufgefallen, daß mich der Begriff "Aufforderung" stört. Karlheinz Pape hat beim #clc12 ein für mich schönes Bild gewählt: das Barcamp ist eine Feier/eine Party und das Orgateam ist der Gastgeber. Aber die Feier wird nur dann gut, wenn die Gäste so richtig mitfeiern. Das ist für mich möglich, wenn ich wohl fühle - also "eingeladen" fühle.

Für mich liegt das größte Problem der Einbeziehung von Newbies in der Startphase, bevor die Sessions losgehen. Da überlege ich regelmäßig, ob ich nicht einfach gehen und besser ein Museum besuchen sollte ..... Es kostet mich immer wieder Überwindung, doch zu bleiben und ja, es lohnt sich dann auch, aber es ist schon ein "innere Kampf".

Kannst Du einigermaßen nachvollziehen, was ich meine?

Ich würde mich freuen, wenn wir am Wochenende in Wiesbaden die Gelegenheit haben, über dieses Thema zu plaudern!

53 | Astrid Christofori | 24.11.2012 um 0:09

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