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Kochbuch für Schule und Haus

Kochbuch für Schule und Haus (1933)

Heute möchte ich euch noch ein ganz besonderes Kochbuch vorstellen. Ich habe es von meiner Oma ausgeliehen bekommen und es ist dementsprechend alt. Die "siebte verbesserte und ergänzte Auflage" stammt immerhin aus dem Jahr 1933.

Das Buch nennt sich "Kochbuch für Schule und Haus" und trägt den Untertitel "Einfache, schmackhafte Kochvorschriften aus dem Sudetengau" (siehe auch Gaue der NSDAP in Wikipedia). Der Druck wurde in Böhmisch Leipa durchgeführt, wo auch der Sitz des Verlags Johann Künstner war.

Beim Lesen der Rezepte fällt zunächst eine heute unübliche Mengeneinheit auf. Das Dekagramm welches hier "dkg" abgekürzt wird. Ich hatte zunächst an "Dezi-Kilogramm" gedacht, aber dann würden dort in einen Kuchen 2 kg Butter kommen - das erschien mir dann doch ein bisschen zu viel. ;-) Man stellt außerdem schnell fest, dass das Buch noch aus einer Zeit ohne exakte Temperatur- und Zeitangaben stammt. Natürlich gab es damals keine Herde, die nach 5 Minuten gepiept haben und auch keinen Backofen, den man auf 165°C einstellen konnte. So heißt es dort eben auch "etwas anbraten" oder "bäckt bei gleichmäßiger Hitze". Wer kochen wollte musste also selbst in der Lage sein zu erkennen wann das Essen auf den Punkte gegart war. Gängige Techniken hierzu werden in den einzelnen Kapitel erklärt.

Das einiges an Vorwissen vorausgesetzt wird, sieht man auch an den Arbeitsanweisungen selbst. So wird beispielsweise nicht angegeben, wie Tomate zu häuten sind. Was heute in Rezepten (je nach Kochbuch natürlich) ein ein oder gar mehreren Arbeitsschritten erläutert wird, wird dort irgendwo in einem Nebensatz versteckt: "Die geschälten, zu Scheiben geschnittenen Tomaten läßt man...". Wer hier unsicher ist muss also mindestens im Buch an anderer Stelle nachlesen, wie man Tomaten häutet. Dadurch muss man das Rezept natürlich genauer lesen und ein wenig Wissen mitbringen um die Zubereitungszeit korrekt abschätzen zu können. Denn diese ist nicht mit angegeben. Ebenso gab es damals keine Angaben zu Schwierigkeitsgraden oder gar den Brennwerten des Gerichts. Von Bildern oder Abbildungen wollen wir natürlich erst gar nicht reden...

Beachtlich finde ich auch, dass in dem Buch knapp über 900 Rezepte zusammengestellt sind. Wenn man sich vorstellt, was das für ein Aufwand ist diese alle zu testen und das man damals nicht eben schnell mit LaTeX ein Buch gesetzt hat...

Vom Gesamteindruck her erinnert mich das Buch sehr an das Das Standardkochbuch von Paul-Bocuse. Allerdings ist es natürlich viel spannender in einem siebzig Jahre alten Buch zu blättern als in einem nagelneuen Kochbuch.

Um auch noch einen besseren Eindruck zu verschaffen werde ich euch noch ein paar Rezepte aus diesem Kochbuch vorstellen. Das erste folgt heute im Lauf des Tages.

Tags: kochbuch 1933

Geschrieben von Jan Theofel
am 9.04.2006um 11:46 Uhr

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