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Warenkunde: Amalfi-Zitronen

Amalfi ZitronenZwei Amalfi-Zitronen mit normaler Zitrone

Vor ein paar Wochen habe meine erste Erfahrung mit Amalfi-Zitronen gemacht. Die standen so in einem Rezept, es klang doch nach Italien und so habe ich bei einem italienischen Feinkosthändler hier in Stuttgart danach gefragt. Doch was er mit in die Hand gedrückt hat, hat mit einer normalen Zitrone nicht mehr so viel gemeinsam. Daher habe ich ein wenig recherchiert um euch ein paar Informationen über Amalfi-Zitronen zusammenstellen zu können.

Im Bild seht ihr schon einen ganz offensichtlichen Unterschied zur normalen Zitrone: Die Größe. Länge, Breite und Höhe einfach mal um den Faktor 2-3 zu "normalen" Zitronen. Dabei fällt der innere Bereich mit dem Fruchtfleisch etwa gleich groß wie bei normalen Zitronen aus. Dazwischen sitzt eine dicke Schicht der weißen Schale.

Aber nicht nur die Größe ist auffällig sondern auch der Geschmack. Sowohl das Fruchtfleisch als auch die äußere Schale sind deutlich intensiver im Aroma als bei herkömmlichen (auch qualitativ guten) Zitronen. Das macht die Amalfi-Zitrone auch für unsere Gastronomie sehr attraktiv. Zusätzlich kann man die dicke weiße Rinde ebenfalls essen, weil diese relativ wenig Bitterstoffe enthält.

Die süditalienische Amalfi-Küste gibt den speziellen Früchten ihren Namen. Zwischen dem Meer und den Bergen wachsen sie dort seit hunderten Jahren auf eigens angelegten Terrassen. Dort kann die Geschichte des Zitronenanbaus bereits vor 2000 Jahren nachgewiesen werden. Durch germanische Einflüsse wurde dieser später zurückgedrängt und erlebte mit der Herrschaft der Araber im neunten Jahrhundert eine Renaissance. Später wurden die Früchte für lange Seefahrten wichtig, weil die stark Vitamin-C-haltigen Zitronen gegen die Skorbut auf den Schiffen half. Im 19. Jahrhundert wurden die Amalfi-Zitronen auf ihrem Höhepunkt in großen Mengen exportiert.

Dann folgte schließlich das Dilemma, das viel hochwertigen und aufwendig zu produzierenden Lebensmittel durchleben mussten: Weil die Zitronen aufwändig von Hand gepflegt und geerntet werden mussten, waren die Amalfi-Zitronen im Vergleich zu Plantagenanbau wirtschaftlich unterlegen. Viele der Terassen sind seit dem verfallen. Erst seit einigen Jahren engagieren sich wieder Bauern für die Fortführung dieser Tradition. Heute sind Amalfi-Zitronen eine geschüzte Herkunftsangabe.

Wenn ihr nach etwas 6 Monaten Reifezeit die Früchte endlich im Laden zu kaufen bekommt, fragt sich, was ihr damit kochen könnt. Die Schale und den Saft könnt ihr ganz normal verwenden. Seit euch aber bewusst, dass der Geschmack deutlich intensiver ist. Aus dem weißen Fruchtfleisch unter der Schale könnt ihr verschiedene Zubereitungen vornehmen. In dem Buch Dolci del sole. Ricette, passione e tradizione della Costiera Amalfitana finden sich Rezepte mit Amalfi-Zitronen. Auch in Jamie Olivers Genial Italienisch findet sich ein Rezept. Einige meiner Versuche werde ich euch in den nächsten Tagen vorstellen.

Der Bezug gestaltet sich nicht ganz einfach. In Stuttgart habt ihr bei Di Gennaro (Geschäft in der Kronprinzstraße und Stand in der Markthalle). Weitere Bezugsquellen sind mir bislang leider nicht bekannt.

Tags: zitrone italien amalfi

Geschrieben von Jan Theofel
am 29.07.2009um 0:09 Uhr

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1 Kommentare

 

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1 Kommentare zu »Warenkunde: Amalfi-Zitronen«

Schön, dass die Wertschätzung ursprünglicher Lebensmittel wieder zunimmt. Danke für die Erklärung. Mir war bis jetzt noch nicht einmal der Name dieser Frucht geläufig. Wieder was gelernt...

1 | multikulinaria | 31.07.2009 um 10:15

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