Eindrücke vom 2. Berliner Symposium des Nestlé Zukunftsforums
Heute war ich von Nestlé zum 2. Berliner Symposium des Nestlé Zukunftsforums eingeladen. Solange sie noch frisch sind, will ich hier gleich meine Eindrücke von der Veranstaltung schildern. Und bevor ihr jetzt den Zeigefinger erhebt und mir Kooperation mit dem "Feind" vorwerft - lest erst mal den Blogpost. Dann könnt ihr mir das immer noch vorwerfen.

Das ganze Veranstaltung des Nestlé Zukunftsforums stand unter dem Thema "Consumer Confusion". Dabei geht es erst mal weniger um die Frage, was wir essen sollen, sondern wie wir das herausfinden. Denn auch wenn vielen Verbrauchern die Informationen der Hersteller nicht weit genug gehen (ich gehöre dazu), ist es de fakto so, dass wir heute mehr Informationen über Lebensmittel haben, als viele von uns verarbeiten können. Insbesondere, da auch viele Desinformationen im Umlauf sind, und das eben auch von Seiten der Medien und zahlreichen Plattformen im Internet. So richtig es ist, dass es keine Kommunikationshoheit mehr gibt und so wichtig es ist, dass das Internet uns hilft Skandale aufzudecken, so richtig ist es eben auch, dass es dort viele falsche Informationen zu finden gibt.
Aber zurück zur Veranstaltung: Nach der Begrüßung durch Gerhard Berssenbrügge (Vorstandsvorsitzender Nestlé Deutschland AG) und Renate Schmidt (Bundesfamilienministerin a.D., Vorsitzende des Nestlé Zukunftsforums) gab es eine kurze Einführung in das Thema durch Jens Krüger (TNS Infratest, Nestlézukinftsforum-Beirat) und abermals Renate Schmidt. Dabei ging es auch um drei Gruppen, in die wir als Konsumenten grob einzuteilen sind. Ich habe die Bezeichnungen von vor Ort nicht mehr im Kopf, daher beschreibe ich sie einfach mit meinen Worten:
Die erste Gruppe ist an Ernährung interessiert, informiert sich selbst und entscheidet gezielt, welche Produkte sie konsumieren. Dabei spielen nicht nur Ernährungsansichten eine Rolle sondern auch soziale und ethische Überlegungen. In dieser Gruppe sind Frauen stärker vertreten und Familien mit Kindern. In der zweiten Gruppe sind mehr Männer vertreten. Sie ist gekennzeichnet durch einen unstrukturierten Alltag und lebt oft von Snacks zwischendurch: "Tanken. Snacken. Weiter." Oft wird die Entscheidung, was Gegessen wird an Marken aber auch (in Beziehungen mit einer klassischen Rollenverteilung) an die Partnerin delegiert. Als dritte Gruppe kommen die Desinteressierten dazu. Essen spielt für sie keine Rolle, sie wollen sich keine Gedanken machen und fühlen sich meist überfordert. Es wird "einfach und schnell" konsumiert.
Anschließend wurde in vier Workshops diskutiert und Ergebnisse gesammelt. Dabei waren die 120 Teilnehmer über verschiedenste Branchen, Verbrauchverbände, Politik, Medien und NGOs vertreten. Aus dem Lebensmittelbereich waren auch Vertreter diverser großer Hersteller wie Nestlé, Kraft, Danone, Ferrero und so weiter dabei. Eine solche offene Kommunikation - unter anderem auch mit foodwatch, die das Treffen mit einer Aktion begleitet haben - halte ich grundsätzlich für richtig und begrüßenswert. Ich habe den Workshop Transparenz besucht, bei dem wir die Frage "Wer sorgt für Transparenz - und wie viel Transparenz verträgt der Verbraucher" erörtert haben. Leider war die Diskussionzeit für eine Gruppe dieser Größenordnung viel zu kurz, so dass ich selbst gar nicht zu Wort gekommen bin. Hier würde ich mir das nächste Mal einen tieferen Einstieg wünschen und bringe mich da auch gerne selbst zeitlich und inhaltlich gerne mehr ein. So war mir schließlich auch nur teilweise klar, wie unser Moderator die Erkenntnisse aus der Gruppe zusammenfassen konnte. Dennoch kamen bei allen Gruppen recht gut klingende Ergebnisse heraus.

Beim Mittagessen gab es übrigens eine sehr schöne Form der Zutatenauszeichnung, die ich für euch hier im Foto auch festgehalten habe: Alle Zutaten wurden neben den Speisen auf einem Tablett präsentiert.
Die Punkte aus den einzelnen Workshops wurden in der abschließenden Podiumsdiskussion noch mal besprochen, wo sich gezeigt hat, dass in vielen Punkten - beispielsweise einer besseren Bildung in der Schule, dem Ersetzen eines Preiskampfs durch einen Vertrauenskampf oder dem Verstärken des Dialogs zwischen Herstellern und Verbrauchern - weiten Konsens gab. Was das konkret bedeutet - da liegen die Vorstellungen dann doch noch ein Stück auseinander. Aber dennoch konnte Renate Schmidt am Ende vor allem zum Thema Erziehung in den Schulen klare Handlungsausblicke geben, wie gerade dieses Thema angegangen werden kann.
Und so sehe ich diese Veranstaltung abschließend mit einem traurigen und einem freudigen Auge: Auf der einen Seite, gab es mir zu wenig inhaltlichen Tiefgang und zu viel Glitzerpulver verstreuen um die Welt schöner aussehen zu lassen, als sie real ist. Auf der anderen Seite zeigt mir Nestlé nach dem Start des Nestlé Marktplatz, dass man sich der Kommunikation und Kooperation öffnet und stellt. Und auch wenn diese Schritte einigen vielleicht noch zu zaghaft erscheinen, so müssen denke ich alle Beteiligten anerkennen, dass es besser ist zu kooperieren und gemeinsam an einer Verbesserung der Situation zu arbeiten, als sich zu bekämpfen.
Auf diesem Weg ist langfristig allen Beteiligten und Nichtbeteiligten (die oben erwähnte dritte Gruppe) gedient, denn das kann langfristig nur funktionieren, wenn aus den Worten auch Taten folgen. Der Weg zu besseren Produkten führt für mich heute über zwei Wege: Kleine, innovative Pioniere, die nachhaltige Produkte herstellen. Und große Unternehmen, die anfangen sich zu öffnen und erkennen, dass es Zeit wird Ihrer Verantwortung für Menschen wirklich nachzukommen statt sich das nur als Claim in die Firmenbroschüren zu schreiben. Wir brauchen beides um alle Konsumenten mit besseren Produkten bedienen zu können.
Ich konnte für mich zwei Trends beobachten - auch gerade bei den Herstellervertretern: Die einen, die tatsächlich immer wieder in eine offene Kommuniation gehen und daraus auch Konsequenzen ableiten während die anderen immer wieder versuchen den Deckel drauf zu machen und lieber alles schöner anmalen (sprich kommunizieren zu wollen) als wirklich etwas zu ändern. Daher mein abschließender Appell an alle Betroffenen, der einer der Visualisierungen vor Ort entstammt: Produkte ändern, nicht nur Kommunikation!


