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Kostenfall bei DSL-Volumenverträgen

Das folgende Rechenbeispiel bezieht sich auf die Preisliste "Preisliste Arcor-DSL Internet-Zugang 05XIIGK22" der Firma ARCOR. Ich will da erst mal einwerfen, dass ich nichts gegen ARCOR einzuwenden habe. Im Gegenteil: Ich bin selbst zufriedener ARCOR-Kunde. Mir ist das eben nur bei ARCOR aufgefallen, weil dort die komplette Preisliste als PDF recht problemlos im Web zu finden ist. Bei allen anderen Anbietern gibt es nur ein paar Fußnoten unter den Angeboten - wie abgerechnet wird, erfährt man wohl erst nach der Bestellung. So gesehen also eigentlich ein Pluspunkt für ARCOR.

Hier kommt die Beispielrechnung basierend auf den Geschäftskundentarifen von ARCOR für DSL-Zugänge mit Stand vom 20.1.2006

Bei der kleinsten DSL-Bandbreite ("DSL 1000") bietet ARCOR wie einige andere Anbieter auch einen Volumen-Tarif an. Für 8,62€ bekommt man die Leitung inklusive 1000 MB Datenübertragungsrate. Das man dafür noch einen ARCOR-ISDN-Anschluss braucht lassen wir hier mal außer Acht, denn es ist für diese Berechnung nicht von Bedeutung.

Die nächste Stufe im Preisgefüge ist DSL 2000 mit einer echten Flatrate - beliebig viel Volumen, beliebig lange online. (Das ist das was ich auch habe.) Der Aufpreis hierfür beträgt 8,58 € pro Monat (4,27 € für die Flatrate und 4,31 € Aufpreis für DSL 2000). Soweit so gut.

Wer wissen will, ab welchem Volumen sich die Flatrate lohnt, der braucht noch den Volumenpreis von 1.034 Cent / MB und kann dann gemütlich mit dem Taschenrechner umrechnen. Das entspricht nicht ganz 830 MB. Ab einem Volumen von 1830 MB pro Monat lohnt sich also der Umstieg auf die Flatrate.

Unternehmerisch betrachtet sind 1830 MB sind eine Menge Volumen wenn man als (kleine) Firma ein bisschen E-Mails schreibt und ein wenig im Netz surft. Der sparsame Geschäftsmann darf also davon ausgehen, dass er mit dem Tarif eigentlich preiswerter arbeiten kann.

Der Sysadmin weiß, dass er einen Volumentarif hat. Also keine Einwahlgebühren, keine Zeitvolumen. Er kann also ohne Bedenken seinem Mailserver sagen, dass er ruhig alle 15 Minuten mal nach Mails schauen soll. Wenn nicht gar öfters. Aber gehen wir mal von 15 Minuten aus. Wann das E-Mail-Volumen durch die Leitung rutscht ist eh egal und die paar POP3-Abrufe machen den Kohl nicht fett. Also läuft der Server durch, denn der Chef arbeitet auch schon mal zu ungewöhnlichen Zeiten. Der DSL-Router wird auf Dial-on-Demand konfiguriert und trennt die Leitung nach drei Minuten Inaktivität - man will ja schließlich nicht unnötig lange Zielscheibe für allerlei skrupellose Gestalten sein. Alle wären also glücklich und zufrieden ...

... wenn, ja wenn da nicht das Kleingedruckte wäre. Dort steht nämlich zu lesen: "Die Abrechnung erfolgt in ganzen Takten. Die Takteinheit beträgt ein MB." Ich übersetzte das jetzt mal frei: "Pro Einwahlvorgang wird mindestens ein MB Datenvolumen abgerechnet." Da rechnen wir doch mal flugs nach: Eine Einwahl (= 1 MB) alle 15 Minuten. Macht 4 Einwahlen (= 4 MB) pro Stunde. Oder 96 Einwahlen (= 96 MB) am Tag. Und im Monat sind wir dann bei ca. 2880 Einwahlen oder 2880 MB (bei 30 Tagen / Monat).

Stop! Moment! Hatten wir nicht vorhin ausgerechnet, dass ab 1830 MB der Flatrate-Tarif der günstigere ist? Und in dieser Konstellation haben wir bereits - ohne den Zugang auch wirklich zu nutzen bereits 2880 MB auf unserer Rechnung stehen. Da ist die Sparmaßnahme wohl gehörig nach hinten losgegangen... Der Kunde zahlt deutlich mehr als er eigentlich wollte und hätte mehr Leistung (weil höhere Bandbreite) deutlich günstiger bekommen. Fazit: So lohnt sich der Volumentarif auf jeden Fall nicht!

Wer die Preisliste von ARCOR genau studiert findet dort übrigens auch folgenden Hinweis: "Arcor trennt jede über DSL-Zugänge hergestellte Internet-Verbindung bei Inaktivität, d.h. wenn kein Datenverkehr erfolgt, serverseitig nach 15 Minuten. Sollten Sie Ihren Router oder Ihre Telekommunikationsanlage so konfiguriert haben, dass diese nach der Trennung einer Internet-Verbindung selbständig eine erneute Verbindung zum Internet aufbauen, können hierdurch erhöhte Kosten entstehen." Damit hätten wir ohne Datenverkehr genau obiges Rechenbeispiel. Der Kunde wird also - auch das ist positiv bei ARCOR zu erwähnen - in der Preisliste auf solche Konstellationen zumindest indirekt hingewiesen.

Um das noch klarzustellen: Ich weiß nicht, ob es eine technische Notwendigkeit für diese Abrechnung gibt oder ob ARCOR das so willkürlich festgelegt hat. Auch weiß ich nicht, ob meine Interpretation der Preisliste korrekt ist. Weiterhin habe ich nicht geprüft, ob solche versteckten Kostenfallen auch bei anderen Anbietern anfallen, da ich hier keine Informationen über Abrechnungsdetails im Internet gefunden habe. Wer sich qualifiziert zu dem Thema äußern kann möge dies bitte in den Kommentaren tun.

Tags: dsl arcor volumentarif flatrate

Geschrieben von Jan Theofel am 20.01.2006 um 21:29 Uhr (Permalink)
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