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15.05.09

Wahl-O-Mat: Trau keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast?

Neulich bin ich auch den Wahl-o-Mat zur Europawahl aufmerksam geworden. Und im Selbsttest habe ich deutliche Zweifel an der korrekten Darstellung der Ergebnisse bekommen.

Dabei hatte ich zunächst den Wahl-O-Mat nur mit meinen persönlichen Meinungen gefüllt und dabei viele Fragen mit "neutral" beantwortet. (Gemäß der FAQ "Was kann ich antworten, wenn ich einer Aussage nur unter bestimmten Bedingungen zustimme?") Hier das Ergebnis:

Wahl-O-Mat Ergebnis JanWahl-O-Mat-Ausgabe mit meinen Daten

Das Ergebnis an sich verwundert mich wenig: Da ich bis vor einer Weile selbst CDU- und JU-Mitglied war, liegt nahe, dass ich dort die meisten Übereinstimmungen finden würde. Das die CSU dabei noch etwas vor der CDU liegt hätte ich zwar nicht erwartet, ist aber auch denkbar.

Man würde aber der Grafik aber auch entnehmen, dass alle vier weiteren Partien in etwa bei drei Viertel der Übereinstimmungen liegen. Das wiederum hat mich dann doch deutlich erstaunt. Bei der FDP hätte ich mir das noch vorstellen können, bei den Grünen etwas weniger aber nicht bei der SPD und den Linken.

Also habe ich mal wie empfohlen die Details betrachtet. Irgendwas kann da nicht stimmen. Denn wenn ich die Übereinstimmungen zähle, bekomme ich ein deutlich anderes Bild:

Übereinstimmungen selbst ausgewertetÜbereinstimmungen nach eigener Auswertung

Das ist schon ein deutlicher Unterschied zur Ausgabe von Wahl-O-Mat. Sowohl der Vergleich der Verhältnisse als auch die Reihenfolge der Parteien weicht deutlich ab! Wie kann das sein? Eine mögliche Gewichtung habe ich nicht vergeben. Vielleicht wurden die Punkte, bei denen ich gegenteiliger Meinung wie die Parteien bin, wieder abgezogen? Mal schnell ausprobiert:

Differenzen JanÜbereinstimmungen abzüglich Gegenmeinung

Das Ergebnis ist noch deutlicher. Einige Parteien rutschen sogar ins Negative. Damit liegen wir noch weiter weg von der Anzeige aus dem Wahl-O-Mat. Lag es vielleicht an meinen vielen unentschlossenen Antworten? Zur Sicherheit mache ich einen zweiten Durchlauf, bei dem ich alle Fragen mit ja oder nein beantworte. (Alle Fragen mit ja beantworten geht übrigens nicht.) Der Wahl-O-Mat meint dazu diesmal kaum differenzierter:

Wahl-O-Mat TestlaufWahl-O-Mat Testlauf

Ob wir dieses Mal näher an meiner eigenen Auswertung liegen?

Übereinstimmung TestlaufEigene Auswertung des Testlaufs

Die Ergebnisse stimmen hier schon besser überein. Aber zumindest im Mittelfeld stimmt die Reihenfolge definitiv nicht Und jetzt mal die Differenzbetrachtung:

Differenzen im TestlaufDifferennzen im Testlauf

Auch hier gehen einige Parteien wieder ins Negative, das Mittelfeld pendelt sich genau auf Null ein. Definitiv ganz weit weg von der Wahl-O-Mat-Darstellung.

Woran liegts?

Natürlich muss man auch noch Berücksichtigen, dass auch Enthaltungen der Parteien in die Bewertung einfließen. Wie das geschieht ist nicht ersichtlich. Aus einer Antwort aus der FAQ könnte annehmen, dass die Frage, keine Bewertung erfährt. Wenn dies nur für diese Partei geschieht erklärt dies nicht die Differenzen, macht es dies für alle wäre dies möglich.

Man könnte auch annehmen, dass die Darstellung bewusst nivelliert ist um die Benutzer zu animieren, die Details anzuschauen. Das wäre politisch sicherlich sinnvoll, aber dennoch wäre die Methode definitiv fragwürdig.

Selbst wenn man die beiden Datenreihen mathematisch durch die Enthaltungen wieder in Deckung bringen kann, empfinde ich in der Übersicht die Unterschlagung der Gegenpositionen dennoch als ziemlich fahrlässig. Denn aus meiner Sicht sind die genau so wichtig wie die Übereinstimmungen!

Das der Wahl-O-Mat eine sinnvolle und unterstützenswerte Wahlentscheidungshilfe ist, will ich hier nicht in Frage stellen. Aber die Präsentation der Ergebnisse kommt mir doch sehr merkwürdig vor.

Ich schreibe die Betreiber mal an. Vielleicht bekomme ich ja eine Auskunft. Bis dahin würde mich natürlich interessieren, ob eure Ergebnisse auch so stark abweichen.

Tags: wahl-o-mat europawahl

Geschrieben von Jan Theofel am 15.05.2009 um 21:45 Uhr | Permalink
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06.05.09

Wichtig: Petition gegen Zensur in Deutschland

Zensur Symbolfoto

Ich hatte vor einiger Zeit über Zensur in Deutschland berichtet. Das ganze wird einem als Bekämpfung der Kinderpornografie verkauft. Das diese Bekämpft werden muss, steht dabei völlig außer Frage. Aber eben nicht durch Einführung einer Internetzensur in Deutschland.

Nicht nur Politiker der Opposition sprechen sich hiergegen aus, sondern auch IT-Experten und sogar Opferverbände. Nicht nur die Wirkung der Zensurmaßnahme muss in Frage gestellt werden, weil hier Täter (vor dem Zugriff) und nicht Opfer (vor dem Übergriff) geschützt werden. Zudem sind die Sperren leicht zu umgehen. Ebenso könnte man Seiten aus einem Telefonbuch herausreißen und behaupten, die darauf stehenden Nummern würde nun niemand mehr erreichen können. Zudem stehen Anonymisierungsdienste, die jeder ohne technisches Wissen nutzen kann, oft an Universitäten, die von der Regelung ohnehin ausgenommen sind.

Wir können uns also raussuchen ob 1. unsere Politiker der Meinung sind Politik ohne Experten machen zu können oder 2. unsere Politiker wieder besseren Wissens Symbolpolitik zu Wahlkampfzwecken betreiben oder 3. es gar nicht um das vorgeschobene Ziel geht. Was Letzteres bedeuten würde, traut man sich kaum selbst zu Ende zu denken. Aber auch die Varianten 1 und 2 gefallen mir nicht wirklich.

Daher kann ich euch alle nur bitten, dringend die Petition gegen dieses Gesetzt mit zu unterzeichnen. Das könnt ihr problemlos online machen.

PS: Ursprünglich wollte ich dieses Blog mal frei von politischen Meinungen gleich welcher Art halten. Aber was zu weit geht, geht zu weit. Sorry!

Tags: deutschland zensur kinderponografie

Geschrieben von Jan Theofel am 6.05.2009 um 12:55 Uhr | Permalink
Abgelegt unter Politik | 2 Kommentare