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08.12.06

"Killerspiel" verhindert Amok-Lauf in Schule!

Über den geplanten Amok-Lauf in einer Schule in Baden-Württemberg ist in diversen Medien mehr oder weniger ausführlich berichtet worden. Damit einher geht auch eine Diskussion um das Verbot von sogenannten "Killerspielen".

Dabei wird aus meiner Sicht ein ganz offensichtlicher Punkt übersehen: Obwohl man "Killerspielen" vorwirft, Gewalt zu fördern, hat das "Killerspiel" Counterstrike in diesem Fall möglicherweise ein Blutbad verhindert. Denn in einem solchen hat der mutmaßliche Attentäter seinen Amoklauf gegenüber Mitspielen angekündigt, die daraufhin die Polizei informiert habe. Hätte er dies nicht getan wären möglicherweise viele Schüler verletzt oder gar getötet worden.

Zumindest in diesem Fall hat die in den Spielen vorhandene Netzwerkfähigkeit und (soziale) Vernetzung der Spieler durch einen begleitenden Chat Schlimmeres verhindert statt bewirkt.

Ich persönlich stufe diese Killerspiele nicht notwendigerweise als gewaltfördernd ein. Das hat man früher auch dem "brutalen" Fernsehen vorgeworfen - aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein: "An einzelnen Schulen mag es eine Zunahme geben, insgesamt aber geht die Gewalt zurück." (Die gefühlte Gewalt, Süddeutsche Zeitung, 31.3.2006)

Es ist eine einfache und bequeme Art soziale und gesellschaftliche Probleme, die zweifelsfrei existieren, auf ein leichtes Opfer zu schieben. Die meisten dieser Spiele werden nicht in Deutschland entwickelt, so dass hier keine Politik gegen eine starke Lobby betrieben werden muss. Damit erzielt man nur eine Beruhigung bei den Betroffenen und doktort an den Symptomen herum statt die Ursachen anzugehen. Diese liegen meiner Meinung nach viel tiefer und sind jeweils individuell, so dass diese nur durch eine ausreichende Betreuung von kompetenten Sozialarbeiter oder Schulpsychologen behandelt werden können. Doch nicht nur an dieser Stelle fehlt das Geld für die Förderung von Jugendlichen. Ein "Killerspiel" mag in Einzelfällen die Gewalt einer einzelnen Person fördern - aber eben nur fördern - nicht erzeugen.

Nun folgen ein paar spekulative Ansätzen von mir. Spekulativ, denn ich bin kein Experte und möchte mich daher - im Gegensatz zu vielen Politiker, die hier über Nacht zu Computerspielexperten und ausgebildeten Jugendpsychologen mutiert sind - auch nicht dazu machen. Möglicherweise dienen solche Spiele sogar einem Gewaltabbau, da man hier seine Aggressionen ausleben und verarbeiten kann. Und gerade im Spiel als Team erlernt man dabei vielleicht eher neue soziale Kompetenz wie ohne solche Spiele.

Und das Verbote Jugendliche nicht abschrecken sondern vielleicht sogar eher ermutigen Verbotenes auszuprobieren ist nun wahrlich nichts Neues, oder? Ob man sie damit kriminalisiert oder nicht - es wird weiterhin "Killerspiele" auf den Rechnern von Jugendlichen geben.

Für mich persönlich gilt folgender Fakt: Ich habe zu Schulzeiten auch solche Killerspiele bei Freunden gespielt. Nicht oft aber ab und zu. Wir haben aber genau so gut klassische 2D-Adventures oder Strategiespiele gespielt. Und obwohl ich es in meiner Schulzeit als "Streber" wahrlich nicht immer leicht hatte bin ich dadurch nicht zu einem Killer mutiert.

Wem das auch so ergangen ist, darf sich überlegen die Online-Aktion Wir sind keine Killer! zu unterzeichnen. (Aktion gefunden bei unblogbar)

Tags: killerspiele

Geschrieben von Jan Theofel am 8.12.2006 um 0:18 Uhr | Permalink
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