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Blogger.com/WordPress.com für professionellen Einsatz?

Ich vertrete schon immer die Meinung, dass Dienste wie Blogger.com oder WordPress.com nicht für den professionellen Einsatz geeignet sind. Dabei rede ich jetzt vorwiegend von Unternehmen oder Freelancern, die bloggen. Oliver hat seine gegenteilige Meinung dazu gebloggt und seien Argumente bestätigen mich eher denn das sie ihr Ziel erreichen:

IN beiden Fällen dreht der Provider den Saft ab, wenn der Staatsanwalt klopft […]. (Aber ich möcht mal sehen, wie die Polizei ein Google Datencenter ausräumt 😉

Hier weiß ich, dass die Realität für das eigene Hosting spricht: Ich entdecke leider immer wieder Texte oder Bilder von mir bei Blogs auf Blogger.com und WordPress.com. Und da braucht es keinen Staatsanwalt, um dein Weblog oder zumindest Teile davon offline zu nehmen. Noch nicht mal einen Anwalt. Ja noch nicht mal eine Unterschrift. Einfach das DMCA-Formular online ausfüllen und die Inhalte sind innerhalb von Stunden offline. (Bei beiden bereits mehrfach durchgeführt, nachdem die Webseitenbetreiber auf meine Anfragen nicht reagiert haben.) Hier bist du schlechter gestellt als bei einem deutschen Hoster, der etwas Schriftliches von einem Anwalt oder besser dem Staatsanwalt sehen will.

Zitat dazu aus den Nutzungsbedinungen von Blogger.com: (Identisch zu denen mit Google, man wird dort hin weitergeleitet. Hervorhebung des entscheidenden Wortes durch mich.)

Wir reagieren auf Meldungen zu mutmaßlichen Urheberrechtsverletzungen und kündigen die Konten von Personen, die wiederholt Verstöße begehen, gemäß dem im US-amerikanischen Urheberrechtsgesetz (Digital Millennium Copyright Act) vorgesehenen Verfahren.

WordPress und Google garantieren eher, dass auch größerer Traffic ohne extra Kosten abgewickelt wird.

Es gibt inzwischen Anbieter, die flexible Hostingangebote haben, bei denen du im Fall eines „Links von Spiegel oder CNN“ auf größere Pakete umschalten kannst. Aber ja, da geht der Pluspunkt wohl an die gehosteten Services. Wobei ich in deren Nutzungsbedinungen auch nichts zu einer Verfügbarkeit finde. Oder habe ich die Passagen nur überlesen? Nur ganz ehrlich: Wie oft passiert das in der Praxis wirklich? Bei Unternehmen, die keien 400 Euro (siehe weiter unten) für ein eigenes Blog ausgeben wollen wohl de fakto nie.

… selfhosted WordPress null Googletraffic zog, kaum war es (unter der selben Domain, kostenlos) zu Blogger.com umgezogen träufelte der Googletraffic.

Das kann Zufall gewesen sein, dass das Ranking sich da verbessert hat. Man müsste alle Faktoren in Betracht ziehen und nicht nur den Umzug. Hat er vorher die Webmastertools verwendet, eine Sitemap, regelmäßig gepingt bei neuen Artikeln, etc. Auch war die Seite eine Weile aktiv und es braucht bekanntlich etwas Zeit bis Tante Google einen mag.

Der offensichtliche Vorteil für Google ist, dass sie die Inhalte besser spidern können. Es wäre also eher denkbar, dass man leichter in den Index kommt. Ich glaube aber nicht, dass es auf die Position in den Rankings einen Einfluss hat. Denn dafür zählt nicht die Einfachheit des Spiderns, sondern der Inhalt, Backlinks und vieles mehr.

Ein selfhosted WordPress kostet, nach Expertenangaben, bis zu 400 EUR/Jahr für Technik.

Wenn ich etwas professionell (=ernsthaft) betreibe, sollte mir das als Unternehmen oder Freelancer 400 Euro wert sein. Alleine die Arbeitszeit, die man da rein investiert, sind rein rechnerisch deutlich höhere Kosten. Dazu kommen potenziell Zeiten für Berater wie Oliver, Designer, etc. Das ist als ob jemandem einen Ferrari empfiehlst. Aber erst mal mit dem Waschmaschinenmotor, damit es nicht so teuer wird. Das hat keinen Sinn an dieser Stelle zu sparen, wenn man sich die gesamten anfallenden Kosten vor Augen führt. Die Aufgabe eines guten Beraters besteht aus meiner Sicht auch darin, dem Kunden seine gesamten Kosten vor Augen zu führen und damit die Unbedeutendheit dieses Punktes.

Dafür hat ein selbst betriebenes Weblog aus meiner Sicht unter anderem folgende Vorteile: (Alleine das technische könnte ich tagelang in tausende Details aufdröseln…)

  • Alle Daten „gehören“ mir. (Jetzt nicht rechtlich, sondern technisch betrachtet.) Ich kann Backups anlegen wie gewünscht, in der Frequenz wie gewünscht, etc. Man bedenke: Auch Cloud-Anbieter wie Amazon und Google hat schon Datenverluste zu beklagen gehabt.
  • Du bist Herr über die Technik, kannst beliebige Plugins und Co installieren. Nur dann hast du völlige Freiheit, was die Anpassungen angeht.
  • Dadurch kann ich das System deutlich besser meinen Bedürfnissen anpassen und in andere Systeme integrieren.
  • Beispielsweise ist dann eine vollständige Verschmelzung mit der Webseite möglich, sodass die Suchfunktion dort in Weblog und Webseite sucht und umgekehrt.
  • Die bestehende Weblog-Funktion des bestehenden CMS kann mit genutzt werden, sodass ich nicht alle Autoren-Accounts doppelt pflegen und die Redakteure sich nicht in zwei Systemen einloggen und zurecht finden müssen.
  • Für SEO-Zwecke kann das System leichter gepimpt werden, beispielsweise mit zusätzlichen Seiten und Content aus anderen Quellen.
  • Wenn ich die Integration erst später nutzen möchte: Der Aufwand der Datenmigration entfällt. Das frisst Teile des Kostenvorteils auf, den ich vorher hatte.

8 Kommentare

  1. Alles gute Argumente. Es ist auch nicht so, als ob ich sage: selfhosted braucht man nicht. Im Gegenteil das verkaufe ich Kunden duchaus. Wenn der Kudne x aberschon be meinem wirklich nicht horrenden Stundesatz zuckt, dann empfehle ich ihm entweder allein auf Blogger loszulegen bzw. tue mich schwer, ich für das dreifache an Volumen noch Technik zu verkaufen (ich verkaufe an sich keine Technik 😉 )

    Was ich primär meine ist:
    „Man braucht für ein erfolgreiches Blog keine eigene Installation auf eigenem Server.“

    Die Top 10 Liste gibt mir recht und ich bin auch immer wieder (positiv) erstaunt, bei wie veilen erfolgreichen Blogs ich auf (paid) WordPress.com oder (eben unpaid) Blogger treffe, ohne, dass man es an der Oberfläche sieht.

    Robert Scoble hat bis in seien Rackspace-Anfangszeit bei (paid) wordpress.com gebloggt. Und hatte damals ein globales #1-#5 Blog.

    Und William Gibson bloggt bei Blogger.com sogar auf einer no-go-luschigen Blogspot-Domain 😉

    Aber wesentlicher Punkt: Für ein erfolgreiches Blog ist eine eigene Installation ein ’nice to have‘ aber nicht essentiell. Eigene Installationen befriedigen primär den Spieltrieb von technisch versierten Menschen. Viele der Features, die du als USP von self-hosted aufzählst, bietet z.B. Blogger.com auch (ohne Aufpreis, wie bei WordPress.com).

    & SEO ist eh überbewertet 😉

  2. Definitiv Jan, stimme ich dir voll und ganz zu.

    Welches ist dein Favorit? WP, Blogger oder dann doch auch Contao?

  3. Jo

    Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen!
    Ein Hosting auf wordpress.com oder blogger.com einem Kunden zu empfehlen, zeugt von mangelndem technischen Verständnis!

    Die Zahl von 400 Euro im Jahr, halte ich auch für völlig übertrieben. Ich betreibe seit Jahren alle meine Weblogs auf einem Shared Hosting bei allinkl.com für 8 Euro im Monat. Also für 96 Euro im Jahr.

    Für die meisten reicht wahrscheinlich auch das kleine Paket für 5 Euro im Monat also 60 Euro im Jahr aus!

  4. @Oliver:

    Du wirst gerade „erfolgreich“ und „professionell“ durcheinander. Es spricht nichts dagegen, dass ein Blog, dass auf solchen Systemen aufgesetzt wurde, erfolgreich werden kann.

    Ich rede hier von einem professionellen, sprich geschäftsmäßigen Einsatz. Und da ist die Frage nicht nur, ob man mit solchen Blogs auch erfolgreich werden kann, sondern welche Einschränkungen man sich sonst mit einhandelt. Und die sind für einen ernsthaften Business-Einsatz aus meiner Sicht nicht tragbar.

    Und was den Punkt angeht, dass einige der Punkte auch Blogger bietet. Da musst du schon sagen welche. Sonst kann ich da nicht drauf eingehen…

  5. @Lars: Einen Liebling habe ich da nicht. Ich betreibe Weblogs mit Movable Type, WordPress und Contao. Was eben für das jeweilige Projekt am passendsten ist.

  6. @Jo: Oliver bezieht bei dem Betrag auch Service-Kosten für Updates mit ein, wenn man die nicht selbst machen kann. So habe ich das zumindest verstanden. Dann kann man schon auf ca. 400 Euro kommen.

  7. OliverG

    Yep, Jan.

    Ich habe ja auch nirgends von einem ‚professionellen‘ Blog gesprochen. Sondern nur davon, was zum sinnvollen, erfolgreichen Bloggen unabdingbar ist.

    Wobei ich darauf beharre, dass auch da alles ‚Wichtige‘ (z.B.) auf Blogger.com geht.

    Sonst müsste man jetzt z.B. William Gibson sagen, sein Blog sei unprofessionell 😉

  8. D. B.

    Also ich finde WordPress ganz gut, doch schwierig wird es wenn man bei WordPress Werbung integrieren möchte. DAs funzt nicht so einfach udn auch nicht bei Blogger.com. Da muss man tiefergehende Programmierkenntnisse haben.

    Jan: SEO-Keyword als Name und Link entfernt. Bitte die Kommentar-Richtlinien beachten!

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