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Die Wurzel aller Glaubenssätze

Gestern übte ich im Rahmen meiner BITEP-Ausbildung unsere bisherigen Methoden mit einem anderen Teilnehmer. Konkret wendeten wir die Suche nach Glaubenssätzen und deren Auflösung an. Dabei durfte ich eine Erkenntnis gewinnen, die ich schon einmal hatte, die mich aber dieses Mal viel tiefer erreichte. Für mich war es so ein wenig das, was hinter all diesen Glaubenssätzen steckt, quasi die Wurzel von ihnen ist.

Glaubenssätze als Symbolbild

Als er die Methode mit mir durchging, war mein Ausgangspunkt: „Ich muss alles kontrollieren, damit mein Leben funktioniert“. Durch die Fragen erkannte ich nach und nach, was diese Gedanke zu Ende gedacht bedeutet und wovor ich mich dabei wirklich fürchte.

Schließlich wurden mir nochmal alle Aussagen die aufgetaucht waren vorgelesen. Das führte bei mir plötzlich zu einem Erkennen, dass sie scheinbar alle fest verwoben waren. Es schienen mir keine einzelnen Aussagen mehr zu sein, sondern sie waren zu einem Knäul zusammengeballt. Resignation machte sich breit, dass es sich gar nicht lohnen würde, eine einzelne Aussage zu entfernen. (Ob das so ist, lassen wir mal dahingestellt. Es war einfach mein Eindruck in dem Augenblick.)

Aber genau so plötzlich verwandelte sich alles. Ich erinnerte mich an einen Satz, den ich vor Monaten schon einmal gesagt hatte. Damals verstand ich ihn jedoch selbst noch nicht richtig. Jetzt erkannte ich seine tiefere Wahrheit. Ich sagte damals:

Der wichtigste Glaubenssatz ist der, dass ich all meine Glaubenssätze glaube.

Knäul unentwirrbarer Kordel

Im Grund genommen gilt das für alles, was wir über uns denken, nicht nur die Glaubenssätze: Wir glauben es. Wir glauben uns jeden Mist, den wir uns über uns erzählen. Und sei er auch noch so verrückt.

In einem klassischen Ansatz würde man wohl versuchen, diese Aussage durch einen „positiven Satz“ zu ersetzen. Vielleicht würde man so etwas finden wie: „Ich kann frei entscheiden und verändern, was ich über mich glaube.“

Das hilft. Aber es zementiert eine andere Grundüberzeugung, die wir auch alle in uns tragen: „Ich weiß, was für mich richtig und positiv ist. Ich kann gut und schlecht für mich unterscheiden.“

Stimmt das wirklich? Woher kann ich das wirklich wissen? Was lässt mich glauben, dass entscheiden zu können? Wenn wir ganz genau hinschauen, absolut offen und ehrlich zu uns selbst sind, können wir erkennen oder zumindest ahnen, dass das nicht stimmt. Dass wir dieses Leben gar nicht ausreichend verstehen können, um so etwas entscheiden zu können.

Daher bevorzuge ich den Weg, den wir auch in der Ausbildung lernen. Hier geht es darum, den Satz völlig offen zu gestalten. „Offen“ ist etwas anderes als „positiv“. Es weitet, lädt alles ein, statt einzuengen. Einen solchen suchten wir. Eine offene Alternative zu: „Ich glaube mir meine Geschichten über mich selbst.“

Die gestrige Übung war dabei für mich wieder einer der Punkte, an denen ich erfahren konnte, dass der Kern der Sache immer wieder die Vorstellung des „Ich“ ist. Schaffen wir es, diese Vorstellungen loszulassen, eröffnet sich eine ganz neue Erfahrungswelt für uns. Dann kann sich wirklich frei zeigen, wer oder was wir sind.

Und so fanden wir ziemlich schnell einen Satz, der aus der Tiefe des Herzens kommt, und der mich stattdessen begleiten darf:

Ich anerkenne und lebe meine wahre Natur.

Der Satz ist so einfach, so klar und so offen, dass er alles einlädt, was immer da ist. Aber er richtet sich weg von den Gedanken und Geschichten über mich selbst. (Ja, da waren noch ein paar Zwischenschritte davor.)

Und so ist es seit dem in meinem Kopf deutlich ruhiger: Die „Ich“-Geschichten haben spürbar an Faszination verloren.

Fotos: Julia Freeman-Woolpert / Jan Theofel

3 Kommentare

  1. Nina

    Warum braucht man zur Auflösung von Glaubenssätzen einen anderen Satz?

  2. Es hilft, die alte Überzeugung loszulassen. Aber genau weil es ein neuer Satz ist, ist auch wichtig, dass er so offen ist und nicht auf andere („richtige“) Art einschränkt.

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