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Lena testet das Clempad von Clementoni


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Bevor ihr euch jetzt wundert, wo ich auf die schnelle eine vierjährige Tochter her habe: Das ist ein Gastbeitrag von Lena, die als Gründerin von lookmoomy! Expertin für Tablets und Apps für Kinder ist. Here we go…

Clempad im Kinderregal

Meine Tochter ist 4 Jahre alt und spielt gerne auf dem Tablet. Sie nutzt dabei unser Familien-Gerät, auf dem viele Kinder-Spiele installiert sind. Gleichzeitig sind dort aber meist auch der Internetzugang aktiviert oder im Browser sind manchmal noch Google-Sessions der Eltern offen. Sie darf es daher nur unter Beaufsichtigung benutzen, was in dem Alter auch normal ist. Wenn das Kind älter wird und die Eltern bequemer (oder wenn gar ein zweites Kleines zu beaufsichtigen ist) möchte man aber doch eine Lösung, bei der das Tablet kindersicher ist. So dass ich meine Tochter daran spielen lassen kann, ohne immer wieder schauen zu müssen, ob sie nicht gerade meine Mails löscht, Apps kauft oder auf YouTube-Abwegen unterwegs ist.

Es gibt inzwischen viele Angebote von speziell für Kindern konzipierten Tablets. Das Clempad von Clementoni habe ich getestet. Das Gerät kostet normalerweise 109,99€ und wurde uns vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt.

Hardware

Das Clempad hat eine Gummihülle, die fest sitzt und sich gut greifen lässt. Auf dem Display war eine Schutzhülle, die aber leider nicht dazu gedacht ist, darauf zu bleiben, sondern eine deutlich sichtbare Lasche hat. Das ist schade, denn gerade in Kinderhänden ist ein Tablet von Kratzern gefährdet. Und für die rundliche Form des Schirms würde man sicher schwer eine Folie finden. Das Gerät kommt mit einem normalen Tablet-Stift, der auch gut funktioniert. Leider gibt es keine Halterung, so dass er wohl schnell verloren gehen wird. Das Tablet ist auch ohne Stift benutzbar. Der Bildschirm wirkt vergleichsweise hochwertig, reagiert präzise auf die Eingaben mit Stift oder Finger und stellt die Farben kräftig und kontrastreich dar. Die Größe ist für ein Tablet recht klein, etwas kleiner als ein iPad mini. Die Leistung scheint normal zu sein, mir ist nichts aufgefallen, was langsamer gewesen wäre als auf meinem anderen Android-Tablet.

Grundprinzip der kindersicheren Umgebung

Auf dem Gerät läuft ein normales Android-System, das man auch wie gewohnt als Erwachsener verwenden kann. Zusätzlich ist eine Software von Clementoni vorinstalliert, innerhalb der nochmals ein kindertaugliches Betriebssystem nachgebaut ist. Und dieses wiederum hat eine Konfigurationsebene für Eltern, die pin-geschützt ist und wo Begrenzungen für Zeiten, Inhalte und Apps festgelegt werden können.

Eltern-Bereich

Zur Kinder-Umgebung gehört auch der „Clem-Channel“, ein eigener App-Store (der nicht ausgeblendet werden kann) und nur Gratis-Inhalte enthält. Ob sich das in Zukunft hin zu kostenpflichtigen Inhalten ändert, ist nicht zu erkennen.

Auf der Packung steht „ab 3 Jahre“. Es ist kein oberes Alter angegeben, aber es gibt noch ein anderes Clempad, was „ab 6 Jahre“ ist. Meine Erwartung ist also, dass hier eine Umgebung zu finden ist, die für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren geeignet ist. Leider ist das überhaupt nicht der Fall. Und dazu ist die Kindersicherung auch sehr löchrig, so dass man schnell zufällig herauskommt ins reguläre Android oder ins Internet. Aber mehr dazu im Einzelnen:

Einrichtung

Die Einrichtung erfolgt anfangs Schritt für Schritt. Dabei wird unter anderem gefragt, ob man ein Google Konto verbinden möchte oder eins erstellen möchte. Eigentlich wollte ich meinen Account nicht verbinden, aber es gab einen Hinweis auf App-Einstellungen und ich dachte: Gut, so kann ich vielleicht vorher heruntergeladene Kinder-Apps auch hier laden. Das stellte sich als großer Fehler heraus, denn das Tablet synchronisierte sofort und ohne weiter nachzufragen alle meine Emails, Termine und Kontakte. Na super. Also habe ich dann später umständlich in den Android-Einstellungen das Konto wieder entfernt. Woraufhin ich dann innerhalb der kindersicheren Umgebung die Aufforderung bekommen habe, ein Google-Konto einzurichten… Schlecht.

Clempad: Google-Konto erforderlich

Generell sind die Einstellungsmöglichkeiten verwirrend und mühselig. Man sollte auch als sehr technikversierte Person mindestens drei Stunden einplanen, um die Einstellungen halbwegs so einzurichten, wie man sie haben möchte. Die Standardeinstellungen gehen auf keinen Fall. Beispielsweise ist es standardmäßig so, dass mit dem zuvor verbundenen Google-Account das Kind auch auf Google Play zugreifen kann, dort dann sämtliche Inhalte wie etwa Zombiespiele sieht, und ohne Passworteingabe Apps kaufen oder In-App-Purchases machen kann. Der Link zu Google Play ist prominent auf dem Haupt-Screen platziert. Standardmäßig sind übrigens auch GMail und Google Plus in der Kinder-Umgebung zu sehen. Gehen die Hersteller davon aus, dass 6jährige Kinder einen eigenen Google-Account haben? Das wäre ja laut Google erst ab 13 erlaubt. Seltsam. Nach der ganzen Einrichterei kam immer noch alle 5 Minuten ein Popup, ob ich Google erlauben will, die Sicherheit meines Gerätes zu überwachen (oder so ähnlich). Nein, will ich nicht. Wenn ich „Nein“ drücke, kommt die Meldung nach einigen Minuten wieder. Irgendwann habe ich entnervt „Ja“ gedrückt, dann verschwand sie für immer. Hm.

Eine sinnvolle Konfiguration ist die Zeit-Beschränkung. Hier kann man für die gesamt Woche halbstundengenau einen „Stundenplan“ anlegen, wann die Benutzung des Tablets erlaubt ist und wann nicht. Möglicherweise führt das zu Frust, wenn die Zeit ohne Vorwarnung endet. Aber für den Fall, zornig in die Ecke gepfeffert zu werden, ist das Gerät ja gut gepolstert.

Gut: Kinder-Apps, Bücher und Webseiten

Was mir am Clempad am besten gefallen hat, ist die gute Auswahl von Clementoni-eigenen Inhalten. Es sind viele gut gemachte Kinder-Apps enthalten. Die „Edu-Apps“ sind vielfältig, einfach und selbsterklärend. Einige Bücher sind dabei, die man sich vorlesen lassen kann und die kleine Interaktionen beinhalten. Ein Webbrowser ist vorinstalliert, auf dem die Eltern einstellen können, welche Webseiten erlaubt sind. Einige passende Webseiten sind vorgeschlagen. Ich habe es dann beispielsweise so eingestellt, dass nur die Webseite der Sendung mit der Maus aufgerufen werden kann. Dort gibt es wöchentlich ein neues Video, mehr braucht meine Tochter nicht. Für Lieblings-Videos gibt es auch noch einen recht schlauen Video-Channel. Dort können die Eltern bestimmte Videos (von YouTube) aussuchen und freigeben. Nur diese sind dann für das Kind in einer extra Video-App sichtbar.

Kinder-Apps

Wege heraus

Gehen wir davon aus, dass ein vierjähriges Kind noch nicht absichtlich versucht, aus der kindersicheren Umgebung auszubrechen, sondern nur versehentlich irgendwo hinklickt, wo es nicht soll. Gehen wir außerdem davon aus, dass die Eltern alle Einstellungen so korrekt wie möglich gemacht haben. Auf vielen Wegen kommt das Kind trotzdem heraus und in die Android-Umgebung oder ins Internet.

  • Im Kinder-Bereich ist unten ein Button, mit dem man zu den 10 letzten geöffneten Anwendungen kommt. Soll ein Feature sein, ist aber ein Problem. Wenn Mama am Tag vorher im Play Store war, um ihrem Kind eine App zu kaufen, oder wenn sie Mails gecheckt hat, ist das Kind sehr leicht ebenfalls dort.
  • Durch Neustart leert sich diese Liste. Die Clementoni-App selbst ist aber immer in der Liste drin und kann von dort mit zwei Klicks beendet werden. Man landet in der Android-Umgebung.
  • Die Android-Notifications-Bar am oberen Bildschirmrand lässt sich durch Ziehen zeigen oder poppt auch manchmal selbst hoch, wenn es Push-Benachrichtigungen gibt. Zum Beispiel, wenn Mama eine Mail bekommen hat und beim Einrichten das Google-Konto verbunden hat… Mit einem Tippen auf die aufpoppende Benachrichtigung ist das Kind in den Mails.
  • Wildes Herumtippen führt manchmal zum Absturz der Clementoni-Software, dann landet man ebenfalls im Android-Bereich.
  • Scheinbar Harmloses wie die Sprachsuche, die mit kindlich-buntem Icon auf der Startseite zu finden ist, führt zum Chrome-Browser und damit ins ungesicherte Internet.
  • System-Popups wie beispielsweise niedriger Akkustand führen in mit einem der beiden (für Kinder ja nicht lesbaren) Buttons zu den Android-Einstellungen, von wo aus das Kind wieder beliebig viel anrichten kann.

Die Wahrscheinlichkeit ist schon deutlich geringer, aber von Sicherheit kann man nicht sprechen. Das Kind muss trotzdem bei der Benutzung ständig kontrolliert werden.

Kinder-Überwachung

Es gibt noch zwei Funktionen, die ich nicht ausprobiert habe. Ein „Planet Clementoni“, was – soweit ich es verstanden habe – eine Webseite ist, auf der die Eltern eine Übersicht sehen können, was ihr Kind am Tablet macht. Hm. Sollten sie besser persönlich mitbekommen, finde ich. Auch ohne diese Funktion aktiviert zu haben, gehe ich aber davon aus, dass persönliche Informationen über mein Kind (Name, Fotos, Geburtsdatum, Lernleistungen usw.) auf den Servern von Clementoni gespeichert werden.

Die zweite Funktion ist ein Chat. In dem die Eltern dann nachlesen können, was das Kind geschrieben hat. Mir ist nicht klar, mit wem ein 3-6jähriges Kind (schriftlich!) chatten soll. Mit anderen Clempad-Besitzern? Ich konnte es nicht ausprobieren, es kam immer nur eine Fehlermeldung. Leider lässt sich die Funktion nicht ausblenden sondern ist prominent im Hauptmenü, obwohl sie deaktiviert ist.

Fehlermeldung im Chat

Alternativen

Für den niedrigen Preis und mit den exklusiven Inhalten ist das Tablet schon in Ordnung. Aber die Clementoni-Software würde ich persönlich nicht gern nutzen. Wenn man sich den Aufwand mit mehreren Stunden Konfigurieren macht, kann man es auch gleich „richtig“ machen. Entweder mit dem Mehrbenutzermodus von Android oder mit „Kids Place“, einer App die ebenfalls eine Begrenzung auf ausgewählte Apps und Zeiten erlaubt. Richtiges Konfigurieren führt so letztlich zu einem sichereren Endergebnis.

Und was sagt die Vierjährige?

Die Spiele gefallen ihr und sind inhaltlich hinreichend interessant. Der Videoplayer funktionierte leider nicht und zeigte nur einen schwarzen Bildschirm mit dem Ton des Videos. Fotografieren mit der Tablet-Kamera ist prima, weil das Kind das leichte Gerät sehr gut mit beiden Händen halten und mit dem Daumen den Auslöser drücken kann. Eine Front-Kamera wäre schön, die ist am anderen Tablet sehr beliebt.

Alles in allem

Selbst kaufen würde ich das Clempad nicht. Wenn man es geschenkt bekommt, empfehle ich: Die Inhalte aus dem mitgelieferten Store herunterladen. Sie sind dann als normale Apps aufrufbar und die diversen Einstellungen zu Zugriffsschutz können über andere Wege wie bspw. Android-eigene Optionen besser geregelt werden.

Fotos: Magdalena Böttcher

2 Comments

  1. Wir haben das Clempad für Kinder ab 3 Jahren getestet und sind bisher (nach den Updates, die viele Fehler behoben haben) ganz zufrieden. Für den Preis kann man nichts sagen, aber gebraucht hätten wir so ein Kindertablet jetzt nicht unbedingt. =)

    LG vom Mamamulle-Blog

  2. Karin Büchold

    Hallo,

    habe deinen Artikel mit großem Interesse gelesen. Habe gebraucht das Clempad 6 Plus gekauft. Ich habe als ich das Clempad eingerichtet habe keine Aufforderung bekommen mein Google Konto einzurichten. Und es geht auch gar nicht bei mir. Wenn ich jetzt eine App öffne bekomme ich immer Meldungen, dass Goooge Play Dienste beendet wurden außerdem kann ich auch die Clementoni Apps nicht laden oder ein Systemuptate herunterladen von dem ich auch ständig Meldung bekomme.

    Kannst du mir evtl. helfen oder ist es sinnvoll den Hersteller zu kontakten.

    Ansonsten geht zB Microsoft OneDrive Anmeldung auf Microsoft Konto tadellos um aufgenommen Bilder und Videos zu sichern und auf PC anzusehen. Mein Sohn Spielt trotzdem ganz gern die Apps die gehen. Heruntergeladen über alternativ Store.

    Grüße Karin

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