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Serverumzug von Hetzner zu Hosteurope

Falls es heute Nacht hier mal kurz gewackelt hat: Ich zog die Domain www.theofel.de auf einen neuen Server bei Hosteurope um. Damit hoffe ich, wenn alle anderen Webseiten auch transferiert sind, Anfang Januar Hetzner den Rücken kehren zu können.

Als ich vor Wochen diesen Schritt angekündigt hatte, kamen ein paar Rückfragen, warum ich mich von Hetzner verabschiede. Das will ich gerne mit fünf Gründen beantworten:

1. IP-Netze

Schon zu Beginn meines Vertrags, als ich zusätzliche IP-Adressen für SSL-Hosting beantragte, gab es das erste Problem mit dem Service. Man teilte mir vier einzelne Teilnetze statt einem großen zu und beharrte darauf, dass keine IPs wegen Netzanfang, Broadcast und Netzende wegfallen würden. Die automatischen Meldungen zum Setup widersprachen dem. Immerhin überzeugte ich den Mitarbeiter nach einigen E-Mails, dass ich das nicht ausprobieren wolle und die Hetzner-Kommunikation uneindeutig sei. Daraufhin bekam
ich einen fünften Netzbereich um die „fehlenden“ IPs auszugleichen.

Zu dem Ärger, dass ich meine Zeit unnötig vergeudete, kommt der Umstand, dass solche Unterteilungen nicht gerade schön sind. Außerdem wird Hetzner in Zukunft Geld pro zusätzlicher IP-Adresse nehmen, was die Serverkosten bei mir verdoppelt hätte. (Quelle: Heise)

2. Stromausfälle

Vor etwa einem Jahr ereignete sich ein Stromausfall, von dem mein Server betroffen war. Das sollte nicht passieren, ist aber im Rahmen der garantierten Verfügbarkeit in Ordnung. Allerdings sagten mir mehrere Leute unabhängig voneinander, dass Stromausfälle bei Hetzner überdurchschnittlich oft auftreten. Das kann ich nicht verifizieren, will es aber gerne glauben. Schwerer wiegt, dass ich hierüber als Betreiber nicht aktiv informiert wurde. Das ist ein absolutes No-Go!

3. Netzarchitektur

Dieser Fall offenbarte noch ein anderes Problem, das sogar noch gravierender ist. Nachdem der Strom wieder da war, terminierten alle IP-Adressen von mir auf einem fremden Server. Mein System war damit nicht erreichbar. Das eröffnet zahlreiche Angriffsmöglichkeiten, Passwörter auszuspähen. Mit einem sauber in VLANs unterteilten Netzwerk kann das absolut unmöglich. Das soll angeblich auch der Fall sein. Dennoch bleibt mir Hetzner bis heute eine Erklärung schuldig, wie es trotzdem passieren konnte.

4. Support bei RAID-Problemen

Ich buchte extra ein Hardware-RAID, um meine Daten abzusichern. Das ist für mich Mindeststandard. Ebenso selbstverständlich sollte es sein, dass der Anbieter Fehlermeldungen zum RAID von Cronjobs des vorinstallierten CentOS zu deuten weiß. Stattdessen wurde ich platt abgebügelt, dass die Systemwartung mein Thema sei. Prinzipiell stimmt das. Aber was bringt mir ein Support, der grundlegende Fragen zum RAID in der Standardkonfiguration nicht beantworten kann?

5. Billige Hardware

Das ist keine Sache, die mir selbst passiert ist, sondern einem Kunden vor einigen Jahren. Bei ihm fiel innerhalb weniger Monate drei Mal die Festplatte aus. Als wir den Supporter damit konfrontierten, war die Antwort sinngemäß: „Was erwarten Sie denn? Das sind billige IDE-Platten, die nicht auf den Dauerbetrieb ausgelegt sind.“ Ich konnte die Kinnlade meines Kunden förmlich auf der Tischplatte aufschlagen hören.

Bye, bye, Hetzner

Nach der letzten Geschichte dürft ihr zu Recht fragen, warum ich dann überhaupt zu Hetzner ging. Ganz genau: Der Preis. You get what you pay for. Darum zahle ich ab sofort bei Hosteurope mehr, habe aber Markenhardware von DELL, einen kompetenten Support und viele weitere Annehmlichkeiten. Bye, bye Hetzner. Auf Nimmerwiedersehen.

7 Comments

  1. Hi Jan,

    ich kann diese Punkte alle, absolut alle, sehr gut nachvollziehen. Teilweise ist es schon erschreckend was an „Leistungen“ deklariert wird. Ich habe vor ein paar Jahren mit Artfiles aus Hamburg „meinen“ Provider gefunden. Die sind nicht günstig und erst recht nicht billig. Aber die sind gut. Wann immer ich ein Problem habe, kurze eMail und es kümmert sich jemand mit Sachverstand.

    Und auch wenn es dort auch mal ein Problem gab, die Jungs haben sich sauber gekümmert. Einen ähnlichen Service habe ich bislang nirgendwo gefunden. Und ich kenne HostEurope von einem ex-Kunden .. toi toi toi 🙂

  2. Hi Jan,
    ich habe die genannten Argumente schon sehr oft gehört, zum Glück aber selbst noch nie Probleme gehabt. Der Server den ich betreue, war bspw. von dem Stromausfall nicht betroffen und die Festplatten fühlen sich auch wohl.

    Dennoch strebe auch ich einen Wechsel an. Warum? Nun, der gleiche Grund, warum du damals zu Hetzner gegangen bist: der Preis!

    Gelandet bin ich (oh Wunder) ebenfalls bei HostEurope! Warum? Nun, zum einen die von dir genannte Markenhardware. Aber es gibt noch mehr.

    Die Root Server von HostEurope sind (wie du sicherlich weißt) vollvirtualisiert! HostEurope bietet mit den Root Servern eigentlich einen IAAS (Infrastructure as a Service) Dienst, wie sie andere Cloud Anbieter, z.B. CloudSigma anbieten. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass man nicht beliebig hoch und runter skalieren kann, was bei CloudSigma möglich ist, dafür zahlt man bei CloudSigma aber auch einen beachtlichen Preis.

    Die Vollvirtualisierung hat viele Vorteile, bei Hetzner habe ich selbst einen vmware ESXi betrieben, das übernimmt jetzt HostEurope für mich (=> spart mich Ressourcen). Als Ergebnis davon, nehme ich einfach mehrere kleine Server (Stück 50€/Monat), anstelle einem Großen, dessen Ressourcen ich dann selbst verteilen muss. Natürlich schränkt mich das auch minimal ein, aber damit kann ich leben, diese Flexibilität brauche ich und meine Kunden nicht 😉

    Um zu guter letzt aber auf den Preis zurück zu kommen, ein kleiner Vergleich:

    HostEurope Root Server M:
    - 4 Kerne
    - 16 GB RAM
    - 2x1 TB im dedizierten HW-RAID1
    - Marken-Hardware
    49€ / Monat
    
    Hetzner Root Server EX 4
    - 4 Kerne + HT (=> effektiv 8 Kerne)
    - 16 GB RAM
    - 2x3 TB im SW-RAID1
    - Standard-Desktop-Hardware
    49€ / Monat
    

    Für einen Unerfahrenen wirkt das Angebot von Hetzner erstmal besser, bessere CPU (dank HyperThreading), 3TB Gesamtspeicher, aber wer braucht schon 3TB in einem Server? Allein das SW-RAID (Software-RAID) ist schon ein grauß. Ich will das Angebot mal versuchen auf gleiches Qualitätsniveau zu heben (was natürlich nur begrenzt funktioniert, immerhin lässt sich die Grund-Hardware nicht austauschen).

    HostEurope Root Server M:
    - 4 Kerne
    - 16 GB RAM
    - 2x1 TB im dedizierten HW-RAID1
    - Marken-Hardware
    49€ / Monat
    
    Hetzner Root Server EX 4
    - 4 Kerne + HT (=> effektiv 8 Kerne)
    - 16 GB RAM
    - FlexiPack +15€ / Monat
    - 2-Port Hardware-RAID Controller +13 €/Monat
    - 2x3 TB im HW-RAID1
    - Standard-Desktop-Hardware
    77€ / Monat
    

    Eigentlich habe ich nur das HW-RAID zum Hetzner Server hinzugefügt, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis sieht jetzt noch beschissener aus.

    Fazit: Hetzner ist etwas flexibler, weil man seinen Server (gegen Aufpreis!) individuell ausrüsten kann. Wer sowas braucht, sollte vielleicht über Server Housing nachdenken, dann kann er wenigstens ein ordentliches Board+CPU verwenden.
    HostEurope bietet viele Vorteile dank der Vollviertualisierung auf Basis von Marken Hardware. Das dedizierte HW-RAID verspricht gleichbleibende Festplatten-Performance. Und das alles zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

    In diesen Punkten ist der aktuelle Platzhirsch, auch im Vergleich zu anderen Anbietern: HostEurope.
    Mal sehen wer es in 2~3 Jahren ist 😉

    MfG Tristan

  3. Stefan

    Auch wenn der Beitrag schon älter ist (mal ein Update zu hosteurope?): Im Beitrag sehe ich Erwartungen die eher in Richtung managed Server auf Markenhardware gehen. Das gibts zwar mittlerweile auch bei Hetzner, die Qualität kann ich jedoch nicht einschätzen.

    Hetzner macht vor allem dann Sinn wenn man überhaupt keine technischen Support braucht sondern nur jemanden braucht der das Rack anfasst und macht was man ihm sagt. Dann geht auch Software-RAID in Ordnung (was nebenbei bemerkt auf aktuellen CPUs sowieso schneller als Hardware-Raid ist). Im Problemfall holt man sich die virtuelle-Konsole ran („Lara“). Stromausfälle hatte ich nie (mehrere Server, 5J+ Kunde), das Sub-Netzwerksetup ist nicht toll, aber einfacher wird es wenn man nur ein paar zusätzliche IPs braucht.

    Zu 5.: Das mit den Platten stimmt grundsätzlich (die meisten Server sind nicht mit 24/7-Platten bestückt sondern „nur“ mit „enterprise“-platten), in der Praxis meine ich aber ist das selten ein Problem da auch normale Platten relativ lange im Dauerbetrieb aushalten.
    Am besten alles in virtuelle Server packen, (regelmäßig wegsichern per snapshot+rsync), images woanders hin migrieren + mit cluster-IP umschalten, raid6 (auf storage-Maschinen), geht alles.

    Hetzner ist dort super wo andere nicht so gut sind: Flexibilität (Plattenkapazität/IPs) und Preis. Mit der Server-börse (gebrauchte Server) kann man den Preis noch weiter senken ohne große Abstriche machen zu müssen.

    zu 4.: Wer (unmanaged) root-Server anmietet darf nicht erwarten bei der Administration unterstützt zu werden, wobei logischerweise höherpreisige Anbieter kulanter sind.

  4. Ich war auch verwundert. Ein Hacker hatte schadhaften php-Code auf einem WordPress-Blog bei uns platziert und sendete damit attacks auf port 22 (SSH) raus. Hetzner informierte zwei Mal per email über diese attacks und erwartete eine Stellungnahme innerhalb von wenigen Stunden über Nacht. Innerhalb kurzer Zeit wurden die attacks unterbunden. Danach wurde trotzdem die gesamte ip mit einer ganzen Reihe von inet-Plattformen gesperrt. Kein Kunde kam mehr heran an seine Daten. Angeblich policy von Hetzner und normal, dass die ‚manuelle Bearbeitung‘ des Falls einfach aus einer Sperre bestand. Kein Rückruf, keine Nachfrage. Man hatte erwartet, dass beide Nachrichten positiv über Nacht quittiert werden, nicht nur eine davon. QM-verträglich oder gar DIN-ISO zertifizierbar ist ein solcher ‚provider‘ m.E. nicht! Und unnötig war es auch, da keine attacks mehr von der IP ausgingen (laut Protokoll von Hetzner). Darüber hinaus hätte die Hetzner-firewall mit Leichtigkeit die ausgehenden 22-port-attacks von unserer IP sperren können.

    Unverhältnismäßig und stümperhaft also auch noch. Ich werde mal hosteurope probieren.

  5. Anonymous

    Da muss ich Stefan zustimmen. Bei Hetzner ist man eher gut aufgehoben, wenn man von vorne herein vor hat sich komplett selbst um die Hardware zu kümmern. Ich habe bisher den Support nur wegen Netzwerk und IPs benötigt, da ich darauf keinen Einfluss habe.
    Habe jetzt seit einiger Zeit den Ex40 mit Enterprise Festplatten (keinen billigen IDE), welche in meinem Fall zwei WD Re sind. Diese sind wirklich schnell und laufen seit Bestellung ohne Probleme durch mit mehreren verschiedenen Servern/Diensten darauf.
    Der Server hat heute 209 Tage uptime und dabei einen Netzwerkausfall und keinen Stromausfall.
    Ich bin gerade dabei auf einen anderen Server mit 64GB Arbeitsspeicher allerdings auch bei Hetzner umzusteigen, da man zu den Hetzner Preisen keine wirklichen Alternativen findet.

  6. @Christoph: ich kann Hetzner verstehen, dass sie da kurzfristig (auch Nachts) eine Reaktion erwarten – denn das ist kritisch und muss unterbunden werden. Das sie dann aber gleich so unterbinden, dass sie dich aussperren, ist unschön. Da sollte es bessere Wege geben!

  7. @Stefan und @Anonymous: Das mit dem Hardware-Raid sehe ich nach wie vor anders. Wenn das mir unbekannte, vom Anbieter verbaute Hardware-Raid an ein vom Anbieter installiertes OS eine Fehlermeldung absetzt, dann sollte der Support mir da weiterhelfen können. Ich habe weder das eine noch andere installiert… Woher sollte ich die Fehlermeldung also zu deuten wissen? Was anderes wäre es, wenn das meine Hardware und/oder meine Installation wären. Sind es aber nicht.

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