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Bye bye Ingress: Dir fehlt Service

Ingress Screenshot am Bahnhof Kassel-WilhelmshöheIch kann mich noch gut an meinen Start mit Ingress erinnern: Am 27./28. Januar 2014 besuchte ich die Bundeskongress der VHS-Programmplaner für den Bereich Gesundheit. Dort hatten wir das BleibGesundCamp als Projekt der VHS Esslingen vorgestellt. Die Teilnehmerinnen waren alles Menschen, die sich vor allem viel bewegen. Und eben ich. Also traf ich den Entschluss, dass ich etwas ändern müsse.

Glücklicherweise war kurz zuvor das Handy-Spiel Ingress aus der geschlossenen Beta gekommen. Für diesen Vorläufer von Pokemon Go musste man auch hier mit dem Handy spazierengehen. Frische Luft und Bewegung mit dem Handy – meine Motivation mich mehr zu bewegen war gefunden.

Noch am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe begann ich die erste Runde zu Spielen. Den Koffer hinter mir herzerrend besuchte ich meine ersten Portale. Heute war ich wieder an diesem Bahnhof. Und zog dort meinen Schlussstrich unter meine Ingressaktivitäten an dem Ort an dem eben auch alles begann.

Was mir Ingress gebracht hat

Dabei hat das Spiel seinen ursprünglichen Zweck erfüllt. Uns sogar weit mehr als das. Laut Statistik im Spiel bin ich 2911 Kilometer für Ingress gelaufen. Da aber nicht alle Strecken gemessen werden, dürfte ich in Summe auf über 3000 Kilometer kommen. Das sind fast 1000 Kilometer pro Jahr oder knapp 80 Kilometer im Durchschnitt pro Monat – trotz einer mehrmonatigen Pause.

Zuletzt habe ich fast zwei Jahr lang jeden Tag mindestens eine Aktion durchgeführt. Das spricht für eine tolle Motivation durch Ingress. Denn über Ingress habe ich viele neue Menschen kennengelernt, unter andere den Spieler hildeb persönlich, den ich seit fast 20 Jahren aus einer Mailingliste kannte aber nie persönlich traf. Ich bin sonntags um 4 Uhr für ein Berlinfeld aufgestanden und war auch sonst oft mit der Berliner Enlightend Community unterwegs.

Im Gegensatz zu Pokemon Go, dessen Hype schneller verebbte als er gekommen war, bietet Ingress einen spannenden Spielmechanismus der auch nach Jahren des Spielens nicht langweilig wird. Im Gegenteil: Das soziale Miteinander der Community wird gefördert und auch das habe ich sehr genossen.

Warum ich mit Ingress aufhöre: Der Service

Bleibt also die spannende Frage, warum ich aufhöre zu Spielen. Das ist keine Zeitfrage – denn ich habe stets entschieden ob es nur eine Aktion pro Tag war, die 3 Sekunden dauert, oder ob ich einen ganzen Tag mit Ingress verbracht habe.

Viel mehr krankt es bei Niantic, dem Anbieter von Ingress, leider genau an der Stelle, wo ganz viele Unternehmen ihre Kunden (oder hier Spieler) verlieren: Beim Service. Aufgrund dieses Umstands werde ich mein Google-Konto verlieren. Meine Anfrage ob man meinen Spieleraccount einem anderen Google-Konto zuordnen könne, wurde negativ beantwortet. Auch mein Angebot, dass ich den Aufwand auch gerne bezahlen oder dafür spenden würde, änderte an diesem Umstand nichts.

Auch bei deutlichen Betrügereien seitens der Spieler ist Niantic leider oftmals untätig. Und wenn doch mal auf Anfragen der Spieler reagiert wird, dann oft auch unverständlich: So wurde kürzlich das Portal „Wartende Frau“ in Berlin gelöscht. Vermutlich wurde es massiv von blauen Spielern als unzulässiges Portal gemeldet, weil man es für ein Hausportal des grünen Spielers rescape hielt. Statt bei Spielern wie mir, die abertausende Aktionen an diesem Portal durchführten, nachzufragen, wurde es einfach gelöscht. Dabei wäre der Beweis, dass dies ein legitimes Portal ist, ein einfacher Link zu Google Maps gewesen.

Aus der Berliner Community weiß ich, dass ich nur einer von vielen Spielern bin, die wegen des schlechten Service aufgehört haben, Ingress zu spielen.

Was mich am Schluss wieder kopfschüttelnd zurück lässt. Was treibt Unternehmen dazu, sich mit derart schlechtem Service zufriedenzugeben? Sie investieren teilweise unglaubliche Summen in die Gewinnung neuer Kunden (oder hier Spieler) statt einen Bruchteil des Geldes in das Halten begeisterter und zufriedener Menschen zu stecken. Oder anders ausgedrückt: Was das Marketing und PR mühsam aufbauen reißt der (Nicht-)Service am anderen Ende gleich schnell wieder ein.

Schade – vor allem bei so schönen Produkten wie Ingress!

PS: Wenn ihr euch fragt, warum ich mir nicht einfach einen neuen Account zulege: Alles noch einmal zu erreichen, was ich in Ingress bereits erreicht habe, wäre unglaublich frustrierend. Der Spielspaß bestand zuletzt für mich darin, die Phase ununterbrochenen Spielens stetig zu erweitern und die Anzahl der besuchten Portale zu erhöhen. All das wäre mit einem neuen Account sinnlos.

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