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30.12.04
Die Welle und das Web
Eine so große Katastrophe wie die Flutwelle in Asien zieht auch im Internet eine Reihe von Reaktionen nach sich. Hier eine kleine Zusammenstellung:
Kaum meldet Spiegel Online, dass etliche Radiosender den Song "Perfekte Welle" aus dem Programm gebannt haben, erscheint die Meldung in den Blogs. Zustimmung zu dieser Aktion ist dabei kaum zu finden. Viel mehr nennt IT&W die Aktion "Betroffenheitszwang", der Schockwellenreiter fragt, ob er seinen Blog nun umbenenen müsse, und ein Kommentar bei beissholz.de in dem Eintrag "Ich will die Welle, perfekt hin oder her" weisst auf den PR-Effekt für die Radiosender hin. Heimlich still und leise wäre es wohl keinem aufgefallen. Diesen negativen Kritiken der Aktion kann ich mir nur anschliessen: Davon hat in den betroffenen Ländern gar niemand etwas. Die Radiosender erzeugen künstliche Betroffenheit statt wirklich zu helfen. Ganz im Gegenteil: Das Leben geht weiter - wie es nach jeder Katastrophe weitergehen muss. So bitter das für die zahlreichen Menschen ist, die Angehörige und Freunde verloren haben. Aber gerade hierbei könnte Juli helfen: Denn es gibt auch "perfekte Wellen", für die es sich gerade dann lohnt weiterzumachen, wenn einen das Schicksal so drastisch ereilt hat.
Helfen, dass ist auch das Thema auf großen Webseiten. Einige englischen Seiten wie beispielhaft www.apple.com und www.amazon.com rufen auf der Startseite bildschirmfüllend zu Spenden auf und verlinken auf die passenden Hilfsorganisationen. Inzwischen hat auch www.apple.de nachgezogen, während www.amazon.de noch keinen Spendenhinweis zeigt. Natürlich finden sich passende Spendenaufrufe und Hinweise zu geeigneten Quellen auch in zahllosen Blogs. Beispielhaft sei Kulinarische Notizen für Genießer mit "Spenden nicht Böllern" genannt. Ein Vorsatz, der eigentlich nicht nur für dieses Jahr gelten sollte.
Update: Link zum Auswärtigen Amt zur Aussage Spenden statt Böller von Joschka Fischer. Gefunden bei Oliver
Derweil warnt der Hoax-Service der TU-Berlin, vor den Menschen die sich auch umgehend und perfide durch die Katasrophe bereichern wollen. Es sei mit Hoaxen zu rechnen, in denen zu Spenden aufgerufen wird. Dabei dürften auch einige Kettenmails kursieren, bei denen falsche Kontonummern angegeben werden. Wer auf eine solche trifft, meldet sie dort am besten unverzüglich.
Ich meine es war Martin Röll, der in seinem Weblog Vortrag in Stuttgart erwähnt hatte, dass die Anschläge vom 11. September erstmals Blogs als ernstzunehmende Nachrichtenquelle "etablierten", weil Seiten wie die der BBC überlastet waren. Inzwischen stellt BBC selbst eine Art Blog zur Verfügung und freie Nachrichtenquellen wie WikiNews melden umfangreich und fundiert über die aktuellen Geschehnisse.
Abschließend möchte ich den Betroffenen, die dies hier vielleicht lesen, mein tief empfundenes Mitempfinden ausdrücken. Und nein, ich werde dieses Jahr nicht böllern.
Posted by xut at 30.12.04 00:45
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Listed below are links to weblogs that reference Die Welle und das Web:
» Flutkatastrophen-Tsunami-Soundtracks from parasew.com
Das globale Rennen für den Tsunami Soundtrack zum '2004 Indian Ocean earthquake hat begonnen: "[..]Jetzt versuchen allerdings zahlreiche TV- und zunehmend auch Radiosender, ihren eigenen Flut-Song zu finden. Die RTL-Gruppe zeigt unter anderem auf n-tv ... [Read More]
Tracked on 06.01.05 21:42
Comments
"Spenden statt Böllern" ist genau dasselbe Gutmenschentum der Betroffenheitskultur, wie der Verzicht auf bestimmte Musik. Was hat die Flut mit Silverster zu tun? Warum nicht "Spenden statt Sekt", "Spenden statt Ausgehen" oder "Spenden statt Auto fahren"?
Posted by: Oliver at 30.12.04 13:57
Klar hat die Flut nichts mit Sylvester zu tun. Und generell ist egal, welche Form des Verzichts man einfordert um das Geld hieraus zu spenden. Aber es gibt für mich einen wichtigen Unterschied zum Verbannen von Musik aus dem Radiosender: Während letzteres keinerlei Auswirkung für die Betroffenen zeigt, ist eine Spende ein (wenn auch kleiner) Beitrag um die Not der Betroffenen zu lindern.
Der Unterschied ist also, ob aus meiner Betroffenheit (sei sie nun echt oder nur Bestandteil eine Betroffenheitskultur) etwas entspringt, was den Betroffenen hilft (spenden) oder eben nicht (andere Musik hören).
Posted by: Jan Theofel at 30.12.04 14:36